Eine Kombination von analog und digital im Klassenzimmer: Wandtafel und Smartboard mit Tablet- und Vernetzungsfunktion.

Die Vaduzer Primarschulen Ebenholz und Äule integrieren seit diesem Jahr als erste Schulen des Landes Smartboards in ihren ­Unterricht. Ein erstes Zwischenfazit fällt positiv aus, allerdings sind die Berührungsängste noch nicht völlig abgebaut.

Dass die Digitalisierung in den Klassenzimmern Einzug hält, ist nun wahrlich nichts Neues. Aber das Gesicht des Wandels nimmt fortwährend neue Züge an. In den Vaduzer Primarschulen führt die klassische Wandtafel – für Generationen von Schülern unbestrittenes Sinnbild ihrer Unterrichtsjahre – seit einiger Zeit eine Koexistenz mit ihrem digitalen Nachfahren. Nach sorgfältigen Abwägungen hätten sich Nutzer und Projektleitung einstimmig für die Anschaffung von Buchwandtafeln mit integrierten Smartboards entschieden, berichtet Gunnar Eberle von der Bauverwaltung der Gemeinde. Die Primarschule Ebenholz wurde so im Zuge der Sanierung bereits im April mit 17 fixen und drei mobilen Einheiten ausgestattet, die Primarschule Äule folgte vier Monate später (9/3).

Smartboards sind einem grossen Tablet nicht unähnlich. «Sie haben eine Touch-Funktion und ein eigenes Betriebssystem mit Apps», erklärt Filipe Fernandes, stellvertretender Schulleiter an den Vaduzer Gemeindeschulen. Die diversen mitgelieferten Softwarepakete ermöglichen Lehrpersonen unter anderem die Gestaltung interaktiver Lerneinheiten, die auch den Einbezug der persönlichen Tablets der Kinder erlauben. Verbinde man Smartboards mit einem Computer, so Fernandes, könne zudem nicht nur dessen Bildschirm gespiegelt werden, sondern der Computer auch über das Smartboard bedient werden. Ferner ermöglichen spezielle Stifte die Nutzung der Smartboards als wandtafelgleiche Objekte, auf denen geschrieben und gezeichnet werden kann.

Ausgiebiges Ausprobieren
Nähergebracht wurde den Lehrern das neue Unterrichtsmittel und dessen Möglichkeiten im Rahmen kurzer Einführungen. An der Primarschule Ebenholz übernahmen diese Aufgabe der Lieferant sowie eine Lehrperson aus Winterthur, die bereits über Erfahrung im Umgang mit Smartboards verfügte, an der Primarschule Äule kümmerte sich Fernandes selbst darum. Anschliessend, betont er, habe man den Lehrkräften bewusst genügend Zeit zugestanden, alles auszuprobieren – im und ausserhalb des Unterrichts. «Wir waren der Meinung, dass sich Stolpersteine und Fragen erst in der Praxis zeigen.» Mittlerweile scheinen die Smart­boards auf dem besten Weg, sich als Bestandteil des Schulunterrichts zu etablieren. «Eine Befragung der Lehrpersonen hat ergeben, dass sie praktisch täglich im Einsatz sind», berichtet Fernandes. Die Verwendungszwecke sind dabei ganz unterschiedlich und reichen von der Nutzung als Projektionsfläche oder Schreibunterlage bis hin zur Präsenta­tion medialer Inhalte. Der regen Integration in die Schulstunden entsprechend hat der stellvertretende Schulleiter bislang nur positive Rückmeldungen erhalten. «Die Lehrpersonen, mit welchen ich gesprochen habe, erachten das Smartboard als Bereicherung und würden es nicht mehr hergeben», erzählt er mit einem Schmunzeln. Ähnlich fiel die Resonanz aus, als sich Gunnar Eberle beim Lehrpersonal umhörte: «Übereinstimmend wurde erwähnt, dass die Kinder dem Unterricht auf dem Smartboard viel aufmerksamer folgen beziehungsweise, dass man sie damit viel besser ‹abholen› kann.» Wahrscheinlich, vermutet er, sei der Reiz, den Smartboards auf Kinder ausübten, schlicht grösser als bei Wandtafel und Kreide. Filipe Fernandes, aktuell Klassenlehrer der 5a an der Primarschule Äule, kann das nur bestätigen: «Meine Schüler lieben es. Gerade wenn sie selbst darauf zeichnen können, ist das der Hit. Solche neuen Geräte faszinieren die Schüler grundsätzlich sehr.» Wenn etwas das positive Zwischenfazit ein wenig zu trüben vermag, dann der Umstand, dass das Potenzial dieses Zaubers noch zu wenig Raum findet, sich zu entfalten. Eine im Oktober durchgeführte Erhebung hat ergeben, dass sich die Lehrpersonen insbesondere bei der Nutzung von Software für interaktive Zwecke noch «unsicher fühlen», wie Fernandes sagt. Auf der Basis dieser Befunde sei daher entschieden worden, im kommenden Jahr eine Weiterbildung durchzuführen. Guter Unterricht, ist Fernandes überzeugt, hänge zuvorderst von denjenigen ab, die den Stoff vermitteln. «Deshalb wird es wichtig sein, dass Lehrpersonen im Umgang mit den Geräten kompetent werden und diese so noch häufiger einsetzen.» Gerade auch vor dem Hintergrund, dass schon bald sämtliche Liechtensteiner Schüler mit Tablets ausgestattet werden. «Dies eröffnet für die Nutzung der Smartboards nochmals eine neue Dimension.» Mit alldem, das ist dem stellvertretenden Schulleiter wichtig zu betonen, soll freilich keine Doktrin zum Einsatz von Smartboards im Schulunterricht etabliert werden. Niemand dürfe gezwungen werden, ein Gerät auf eine bestimmte Art zu verwenden. «Die Individualität des Unterrichts ist wichtig.» (bo)

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