Facebook, Instagram, Snapchat, Youtube – eigentlich scheint der Bedarf an unterschiedlichen Video-Plattformen schon gedeckt. TikTok kam aus der Musik-Video-Nische und schlägt jetzt aber voll im Mainstream ein.

800 Millionen täglich aktive Nutzer weltweit behauptet TikTok zu haben. In Europa sollen es mindestens 17 Millionen sein. TikTok ist da und geht wohl auch erstmal so schnell nicht wieder weg. Die App ist auf Expansionskurs und zwar in allen grossen Märkten, von Europa bis China.

Neu ist die App und das Prinzip dahinter allerdings nicht: Nutzer laden kurze Videos hoch, die dann anderen Nutzern vor allem über einen Videofeed ausgespielt werden, durch den man sich wischen kann. Das Video-Erlebnis ist im Vergleich zu anderen Apps aber sehr unmittelbar, weil man sich als Nutzer mitten in einem Meer von kurzweiligen Videoinhalten findet und dabei relativ niederschwellig und unkompliziert von einem Video zum nächsten kommt, ohne bestimmten Kanälen folgen zu müssen.

Zwar gibt es TikTok schon seit 2016, einen wirklich Popularitäts-Schub erhielt die Kurzvideo-App jedoch im vergangenen Jahr – dem Jahr, als die Communities von TikTok und dem Konkurrenten Musical.ly zusammengeführt wurden. Beide kommen aus der Nische der Lipsynch- und Musikvideos, und bieten eine breite Spielwiese für kurze kreative Videos, die aber auch nicht zwangsläufig die Musik-Nische bedienen müssen.

Warum ist die App so beliebt bei Jugendlichen bis 25 Jahre?
Gerade Challenges und Mems erfreuen sich bei TikTok besonderer Popularität – jeder Nutzer hat die Möglichkeit unmittelbar und ohne grossen Produktionsaufwand daran teilzunehmen. Das Mitmachen und kreative Rumspinnen steht klar im Vordergrund. Und: Audio, also Musik und Ton in den Videos wird nicht vernachlässigt, sondern ist oft elementarer Bestandteil der Clips. Zudem sind bislang noch wenige Medienunternehmen oder andere Big Player auf der Plattform unterwegs, die Nutzer sind noch eher «unter sich», was einen gewissen Charme ausmacht, der die Nutzer vielleicht dazu verleitet noch etwas anarchischer oder freier herumzuspinnen.

Wer steckt hinter TikTok?
TikTok ist keine Silicon-Valley-Erfindung, sondern eine chinesische Erfolgsgeschichte. Der chinesische Technologiekonzern ByteDance mit Sitz in Peking ist vor allem in Asien, aber auch weltweit mit zahlreichen Produkten auf dem Markt, darunter machine-learning-getriebene Plattformen wie zum Beispiel TopBuzz oder Toutiao, die dem Nutzer trendende oder anderweitig interessante Videos, Gifs oder Artikel vorschlagen. Aber eben auch Kurzvideo-Apps wie TikTok. In China heisst die App übrigens nicht TikTok, sondern Douyin. ByteDance hat Ende 2017 den chinesischen Entwickler von Musical.ly aufgekauft und seitdem einige Features verändert. So wurde die maximale Videolänge erhöht, neue Filter und Tools eingeführt, und die Plattform für weitere Darstellungsformen etwa aus den Bereichen Unterhaltung und Comedy attraktiver gemacht.

Auch ist bei TikTok ist nicht alles heile Welt. Die Plattform bietet einen Nährboden für Mobbing, auch wenn sie damit unter den sozialen Medien nicht allein ist. Aber das Duett-Feature der App, welches zwei Nutzer gegenüberstellt, lässt sich zum Beispiel auch leicht dafür missbrauchen, den jeweils anderen Nutzer fertigzumachen. Zudem zieht die junge Community offenbar auch ungewollte Gäste an: Schon Musical.ly hatte vor der Übernahme durch TikTok mit Hinweisen zu kämpfen, dass sich auch Pädophile auf der Plattform herumtreiben, die junge Nutzer anschreiben oder sie in den Kommentaren auffordern, sich in einer bestimmten Weise vor der Kamera zu präsentieren. (pd)

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