Online-Marketing-Expertin Katrin Pfandl: «Für die Aufsetzung eines E-Mail-Newsletters ist auch trotz DSGVO kein Anwalt erforderlich.» Bild: Moritz Emsberger

Katrin Pfandl ist Online-Marketing-Expertin und hat ihre Masterarbeit über E-Mail-Marketing geschrieben. Das Thema ist für sie nicht nur sehr aktuell, sondern die Erkenntnisse ihrer Masterarbeit helfen ihr auch sehr im beruflichen Alltag.

Interview: Gregor Meier

E-Mail-Marketing ist 2019 total unterstützt. Würden Sie dieser Aussage zustimmen?

Das Ausmass der Unterstützung lässt Diskussionsspielraum. Im Jahr 2019 gibt es zahlreiche Tools, die die Umsetzung von E-Mail-Marketing optimal unterstützen, das kann ich bestätigen. Ich würde jedoch nicht sagen, dass es das Maximum des Möglichen erreicht hat.

Werden die Newsletter überhaupt gelesen?

Das ist einer der grössten Kniffe beim E-Mail-Marketing. Es geht darum, Inhalte zu schaffen, die die passende Zielgruppe anspricht. Eine simple E-Mail zu verschicken, die in 5 Minuten verfasst wurde, führt kaum zu Erfolg. E-Mail-Marketing braucht daher eine fundierte Vorbereitung und eine hohe Leserschaft ist das Ergebnis sehr langer und intensiver Arbeit. Ich persönlich gebe vielen Unternehmen die Chance, mich mit E-Mail-Newsletters zu überzeugen.

Basierend auf den Erkenntnissen Ihrer Masterarbeit: Was sind die wichtigsten Kniffe, damit eine E-Mail von möglichst vielen Empfängern geöffnet und gelesen wird?

Die ersten Aspekte, die überzeugen müssen, sind der Titel und der Absender. Diese beiden Punkte entscheiden, ob die E-Mail überhaupt geöffnet wird. Eine persönliche Ansprache im Titel erhöhte bereits die Öffnungsquote. Danach liegt es am Inhalt, die Leser zu fesseln. Durch aktive Wissensvermittlung an den Leser und zielgruppenspezifische Inhalte wird dafür eine optimale Grundlage geschaffen.

Kann es sein, dass viele Unternehmen einfach Angst haben, wie sie was per E-Mail an ihre Kunden versenden dürfen?

Das kann durchaus sein und ist in diesem Sinn auch verständlich. Durch die enorme Entwicklung dieser Marketingform haben sich nicht nur neue Möglichkeiten gezeigt, sondern es sind auch zahlreiche Hürden und Schwierigkeiten aufgekommen. Die seit Mai 2018 gel­tende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) stellt klare gesetzliche Regeln für den E-Mail-Versand auf. Demgegenüber sind auch die Kunden selbstkritischer geworden.

Viele Unternehmen haben Kunden­daten «rumliegen» und wissen nicht so recht, was sie damit anfangen sollen. Manche kommen sicher auf die Idee, E-Mails an Personen zu senden, die in der Vergangenheit etwas bestellt haben.

Dabei ist Vorsicht geboten. Durch die DSGVO wird den Bürgern mehr Kontrolle über ihre Daten zugesprochen. Für ein Unternehmen bedeutet das, dass der Erhalt von E-Mails am besten mit Double-Opt-In von den Kunden bestätigt wird. Diese Auffrischung würde ich auch für «ältere» Kundendaten empfehlen. Sollte das Unternehmen nicht rechtskonform nach DSGVO gehandelt haben, werden hohe Sanktionen fällig.

Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Braucht man immer einen Anwalt, wenn man einen Newsletter versenden will?

Bei Datenschutzverletzungen kommt es in den meisten Fällen zu Bussgeldern. Die Höhe wird dabei vom Ausmass der Verletzung bestimmt. Es können jedoch Bussgelder in Millionenhöhe anfallen. Für die Aufsetzung eines E-Mail-Newsletters ist dennoch kein Anwalt erforderlich. Die DSGVO erläutert konkret, welche Massnahmen gefordert und welche untersagt sind. Unternehmen, die sich diese zu Herzen nehmen und sich daran halten, haben nichts zu befürchten.

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