Manuela De Icco, Gabriela Iser und Stefanie Lutterschmidt stellten ihre Ergebnisse vor.
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SuchtDrei Schülerinnen der Oberschule Triesen haben für ihre Abschlussarbeit eine Umfrage rund um das Thema «Handytime» durchgeführt und ausgewertet. Von den Ergebnissen waren sie teilweise «schockiert».

Gabriela Iser, Stefanie Lutterschmidt und Manuela De Icco, drei Schülerinnen der 4b der Oberschule Triesen, haben eines schönen Tages im Jahr 2017 ihre Mittagspause im McDonald’s in Triesen verbracht. Sie waren so sehr damit beschäftigt, ihren Freunden auf Whatsapp zurückzuschreiben, auf Snapchat Fotos von ihrem Mittagsausflug zu verschicken und die neuesten Posts auf Instagram durchzusehen, dass sie die Welt um sich komplett vergassen. Es verging Minute um Minute, obwohl sie eigentlich längst schon den Linienbus zurück zur Schule hätten nehmen müssen. So kam es, dass sie den Bus verpassten und zu spät in die Schule kamen.

Nach diesem Erlebnis fassten sie den Entschluss, etwas zu ändern. Gelegen kam ihnen, dass sie im Rahmen ihres Zeichenunterrichts an einem Wettbewerb teilnahmen, dessen Aufgabe es war, ein Bild zu einem aussagekräftigen Satz zu kreieren. Die drei Freundinnen entschieden sich für ein Bus-Motiv umrandet mit selbstentworfenen Emojis. Der Satz lautete: «Gönn dir Zeit ohne dein Handy, um Gefahren zu vermeiden!» Diese Idee brachte ihnen den ersten Platz des Freelance-Wettbewerbs in der Kategorie «Sucht» ein. Und seither hat sich einiges getan. So haben Gabriela Iser, Stefanie Lutterschmidt und Manuela de Icco ihre diesjährige Abschlussarbeit für die Oberschule Triesen zum selben Thema geschrieben. Gestern präsentierten sie die Ergebnisse in einer eigens organisierten Pressekonferenz.

Es regte sich Widerstand gegen die Handybox

Von Oktober vergangenen Jahres bis diesen Mai waren die Schülerinnen mit ihrem Projekt, das sie «Handytime» nannten, beschäftigt. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Caroline Büchel schalteten sie als einen der ersten Schritte im Internet einen Fragebogen auf. Darin wollten sie beispielsweise wissen, wie alt die Teilnehmer waren, als sie ihr ersten Handy bekamen, welche Apps am meisten genutzt werden, wie oft am Tag man aufs Smartphone schaut und wie viel Zeit durchschnittlich an einem Tag am Handy verbracht wird. «Zu Beginn hatten wir nur wenige Teilnehmer. Daher entschieden wir uns, eine Instagram-Seite zu machen, um mehr Leute anzusprechen», erklärte Stefanie Lutterschmidt. Das habe super funktioniert, und so kamen am Ende rund 700 Teilnehmende zusammen. Von den Ergebnissen, sagt Gabriela Iser, seien sie teilweise «schockiert gewesen»: «Die meisten verbringen rund zwei Stunden pro Tag am Smartphone. Bei Jugendlichen sind es teilweise bis zu acht Stunden. Das hat uns erst vor Augen geführt, dass das Handy unser Leben bestimmt und wir alle davon abhängig sind.»

Aus ihren Auswertungen ging auch hervor, dass die Befragten durchschnittlich alle 15 Minuten einen Blick auf den Bildschirm wagen. Man wolle eigentlich nur kurz die Zeit ablesen und plötzlich ertappe man sich dabei, wie man seinen Kollegen Nachrichten schreibe oder sich Bilder auf Instagram, Snapchat und Co. anschaue, verdeutlichte Manuela De Icco. «Daher», meinte Gabriela Iser, «haben wir in unserer Klasse eine Handybox eingeführt. Gemeinsam mit unseren Schulkameraden sollten wir während einer Woche das Handy jeweils vor dem Unterricht in die Box legen und es erst wieder herausnehmen, wenn die Schule zu Ende ist.» Mit dieser Idee sind die drei Schülerinnen jedoch auf Widerstand gestossen. Der Mitschüler Philippe Rheinberger etwa sagte, dass die Klasse es anfangs für eine sehr blöde Idee hielt: «Wir fragten uns, was sie mit unseren Smartphones anstellen. Wir wollten sie nicht abgeben, schliesslich gehören sie ja uns.» So musste an den ersten beiden Tagen ihre Lehrerin einspringen und die Schüler regelrecht zwingen. «Meine Hosentasche fühlte sich ohne das Smartphone während der ersten Tage so leer an. Aber mit der Zeit haben wir uns daran gewöhnt, so dass es am Ende gar nicht mehr schlimm war», erzählte Rheinberger. Anschliessend versuchte die Klassenlehrerin der 4b, diese Regelung weiterzuziehen. «Nach einem Monat hat sie schliesslich aufgegeben. Manche Schüler begannen, ihre Zweithandys in die Box zu werfen, andere flunkerten und erklärten, dass sie das Handy zu Hause haben liegen lassen», so Gabriela Iser.

Die Abhängigkeit weiterhin sichtbar machen

Nachdem die Schülerinnen 2017 mit ihrer Zeichnung den ersten Platz gewannen, gingen sie zu einem Grafiker, um daraus ein Plakat gestalten zu lassen. Sie hätten mit ihm lange darüber gesprochen, das Endergebnis habe jedoch nicht ganz ihren Vorstellungen entsprochen. «Deshalb haben wir einen zweiten Termin vereinbart und unser eigenes Plakat mit unseren Smileys gemacht», sagte Stefanie Lutterschmidt. Mittlerweile sind die beiden Plakate schon das dritte Mal in Folge in der Schüleragenda zu finden. Und wie ein Lehrer ihnen verraten habe, sei es auch im nächsten Jahr wieder drin.

Auch in Zukunft wollen die Viertklässlerinnen am Thema dran bleiben. Sie haben sich bereits für den nächsten Wettbewerb eingeschrieben und möchten ihre Ergebnisse weiterhin der Öffentlichkeit präsentieren. Zudem haben sie sich zum Ziel gesetzt, selbst auch weniger ihre Handys zu nutzen. «Möglich ist es, aber es fällt uns sehr schwer», erklärte Manuela De Icco. «Wenn ich das Handy zu Hause lasse, ist das beinahe ein Weltuntergang. Wenn mein Akku nur noch 20 Prozent aufzeigt, kriege ich Herzrasen. Ohne Handy fühle ich mich unsicher», gibt Gabriela Iser zu. Alle drei erklärten, dass das Smartphone in verschiedenen Situationen von unschätzbarem Wert sei. Beispielsweise, wenn sie zu einer unbekannten Adresse müssen, zeigt ihnen Google Maps den Weg, und wenn sie etwas zu Hause vergessen, rufen sie kurz an und jemand bringt ihnen die Sachen. «Es ist quasi wie ein Schutz», so Stefanie Lutterschmidt. (jka)

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