Mitarbeiter der Landesverwaltung dürfen Whatsapp auch auf ihren Dienstgeräten verwenden. Ein Management-System trennt darauf zwischen einem privaten und geschäftlichen Bereich. Bild: Keystone

Datensicherheit Das Amt für Informatik möchte Messenger wie Whatsapp auf den Dienstgeräten der Landesverwaltung nicht einschränken. Die Nutzung ist aber nur für den privaten Bereich vorgesehen, um das Amtsgeheimnis und Personendaten zu schützen.

Wir beantragen beim Passamt eine neue Identitätskarte, lassen unser Auto von der Motorfahrzeugkontrolle kontrollieren und kommen in weiteren Fällen mit der Landesverwaltung in Kontakt. Damit die verschiedenen Ämter ihren Auftrag erfüllen können, sind sie von persönlichen Daten abhängig. Im Gegenzug erwarten Herr und Frau Liechtensteiner jedoch, dass die Staatsangestellten mit diesen Informationen diskret umgehen. Doch wie gewährleistet die Landesverwaltung den Schutz von Herrn und Frau Liechtensteiners Daten?

Verschlüsselung schützt Geschäftsteil der Handys

«Whatsapp oder andere frei verfügbare Messenger dürfen im privaten Umfeld auch auf Geschäftsgeräten verwendet werden», antwortet Martin Matt, Leiter Amt für Informatik, auf Anfrage. Er weist jedoch explizit darauf hin, dass sie keinen «offiziellen Kommunikationskanal» der Landesverwaltung darstellen. Diese Toleranz sei gemäss dem Amtsleiter vor allem darauf zurückzuführen, dass viele Staatsangestellte im Alltag nicht zwei verschiedene Smartphones benutzen möchten. Also werde häufig dasselbe Gerät sowohl auf der Arbeit als auch in der Freizeit genutzt. «Generell ist mit einem Geschäftsabonnement auch die private Nutzung nach dem Prinzip ‹Fair Use› ausdrücklich erlaubt.»

Um den Datenschutz brauche sich deshalb keiner zu sorgen. Dass Staatsangestellte jederzeit und überall auf ihre Mails, Kontakte und das Intranet zugreifen und ihre Dienstgeräte mit nach Hause nehmen können, macht ein Mobile-Device-Management (MDM) möglich. «Diese Lösung unterteilt das Mobiltelefon in einen Privat- und Geschäftsbereich, wobei der Privatbereich keine weiteren Einschränkungen erfährt», erläutert Matt. Persönliche Applikationen, welche die Beamten verwenden, haben durch diese Verschlüsselung keinen Zugriff auf die vertraulichen Informationen im Geschäftsbereich, der den Sicherheitsrichtlinien der Landesverwaltung untersteht. Beim Verlust des Geräts können die Daten durch das externe Management aus der Ferne sofort gelöscht werden, auf Wunsch auch im privaten Teil.

Matt versichert, dass sich das Amt für Informatik kontinuierlich mit der Datenschutzstelle austausche. So seien die Bedingungen explizit definiert und entsprechend umgesetzt, um einen rechtskonformen und gefahrlosen Betrieb zu garantieren. Dazu gehöre zum Beispiel, dass alle Netbooks und PCs per Bitlocker verschlüsselt sind.

Landesverwaltung arbeitet an einer eigenen Lösung

Im Gegensatz zu den Schweizer Kollegen sieht Matt aktuell «keinen Handlungsbedarf», bezüglich der privaten Kommunikation auf Dienstgeräten spezifischere Massnahmen festzulegen: «Explizite Vorgaben oder Empfehlungen zur Verwendung von Messengern wie Whatsapp existieren keine.» Im Informatik-Reglement der Landesverwaltung sei festgehalten, dass Daten, die dem Amtsgeheimnis unterliegen oder Personendaten enthalten, «nur in Ausnahmefällen auf private Endgeräte übertragen, darauf bearbeitet oder abgespeichert werden dürfen». In diesen Fällen treffe die Mitarbeitenden eine erweiterte Sorgfaltspflicht, die «in Eigenverantwortung» wahrgenommen werden muss.

Auch der Dienst «Threema Work» oder ähnliche Angebote sind kein Thema bei der Landesverwaltung. Denn das Amt für Informatik arbeite bereits an einer «Unified Communication and Collaboration» (UCC), mit welcher die in den nächsten Jahren aus der Wartung fallende klassische Telefonanlage ersetzt werde, so Matt. Diese soll Telefonate, Chats und weitere Kommunikationsmittel innerhalb einer Applikation unter einen Hut bringen. «In diesem Zusammenhang werden auch zukünftige Bedürfnisse nach einem Messenger-Dienst so gelöst werden, dass dieser für geschäftliche Zwecke nutzbar ist.»


So kommuniziert die Landesverwaltung

Gemäss Auskunft vom Amt für Informatik wird innerhalb der Liechtensteinischen Landesverwaltung überall derselbe Standard-Client zur Verfügung gestellt. Je nach Bedarf der Ämter ist dieses Grundsystem mit spezifischen Programmen ergänzt. Digital wird vorwiegend über E-Mails kommuniziert, auf Notebooks und PCs kommt auch «Skype for Business» als Messenger zum Einsatz. Als Betriebssystem wird in allen Ämtern aktuell Windows 7 in Kombination mit Office 2010 verwendet. Automatische Updates halten die Geräte instand. Die Vorbereitung für einen Umstieg auf Windows 10 und Office 2019 laufe derzeit «im Hintergrund auf Hochtouren». Mit dem Umstieg stehe eine Menge Arbeit bevor, erläutert Amtsleiter Martin Matt: «Um einen problemlosen Wechsel gewährleisten zu können, müssen sehr viele Abhängigkeiten von Clients, Servern, Fachinformationssystemen, Schnittstellen sowie Office-Vorlagen auf ihre Kompatibilität geprüft werden.» (gk)

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