Das Schulamt könnte mit dem neuen Lehrplan eine Alternative zu Whatsapp lancieren.

Schulkommunikation Was früher die Telefonkette war, ist heute der Whatsapp-Klassenchat. In Liechtenstein ist ein Verbot bislang kein Thema. Das Schulamt prüft allerdings Alternativen und arbeitet an einer neuen IT-Strategie.

«Findet der Skitag statt» oder «Was haben wir für Hausaufgaben»? – Wenn die Antworten auf solche Fragen in Echtzeit an alle Betroffenen versendet werden sollen, ist Whatsapp ein vertrautes Mittel für die Lehrer in Liechtenstein. An den Schweizer Schulen werden Klassenchats auf dieser Plattform derzeit heiss diskutiert, wie Nachrichten aus Thurgau und Winterthur zeigen. Auch hierzulande ist das Thema aktuell, allerdings werden den Pädagogen vonseiten des Schulamts und der Datenschutzstelle vielmehr Empfehlungen statt strikte Vorgaben gemacht.

Neue Informatik-Strategie durch «LiLe» aufgleisen

Im Kontext Whatsapp sei wichtig, zwischen Klassenchats, die von den Pädagogen geführt werden, und Gruppen, in denen die Schüler unter sich agieren, zu unterscheiden, betont Schulamtsleiter Arnold Kind: «Wenn ein Lehrer einen Chat einrichtet, steht er in der Verantwortung. Richten die Schüler ihre eigenen Chats ein, stehen bei Minderjährigen die Eltern und nicht die Schule in der Pflicht.» Nach Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) hat die Datenschutzstelle den Lehrern empfohlen, bei Schülern unter 16 Jahren die Zustimmung der Eltern einzuholen, falls sie diese in einen Klassenchat auf Whatsapp aufnehmen möchten. Diese Information hat das Schulamt im Mai 2018 per Newsletter an sämtliche Lehrer weitergegeben. «Seither haben wir von der Datenschutzstelle nichts mehr gehört. Insofern scheint alles in Ordnung zu sein», meint Kind.

Messenger für schulische Angelegenheiten denkbar

Das bedeute keinesfalls, dass sich das Schulamt nicht mehr mit dem Thema auseinandersetzt. Gemäss Andreas Oesch, Fachbereichsleiter für Schulmedien, sei der Datenschutz an den Liechtensteiner Schulen nach wie vor präsent: «Wir prüfen in einer Fachgruppe verschiedene Varianten, aber im Moment ist noch nichts spruchreif.» Der dafür notwendige Druck gibt auch der neue Lehrplan (LiLe), wie er anmerkt. Dieser gilt ab August und lehrt unter anderem einen verantwortungsvollen Umgang mit den jungen Medien. Spätestens am Ende der vierjährigen Einführungsphase sollen alle Schüler ein Tablet beziehungsweise Notebook für den Unterricht erhalten. In diesem Rahmen möchte die Amtsstelle unbedingt die IT-Strategie an die Schulen anpassen. «Bevor wir die Geräte aushändigen, soll eine saubere Lösung gefunden werden», meint Oesch.

Solange die neue IT-Strategie nicht in Stein gemeisselt ist, möchte das Schulamt den Lehrern keine Vorgaben machen. Als Alternative , die den Datenschützern mehr als Whatsapp zuspricht, nennt Andreas Oesch die Schweizer Messenger-App Threema. Allerdings sei es schwierig, neue Angebote zu etablieren und damit weiterhin alle Betroffenen zu erreichen. Zudem sind viele andere Angebote kostenpflichtig und Whatsapp hätte auch weitere Vorteile. «Die Schüler wählen ihre Plattform selbst. Sie kommunizieren über jenen Instant-Messenger, auf dem sich ihre Freunde befinden», erläutert der Fachbereichsleiter für Schulmedien. Längerfristig wäre jedoch ein separater Instant-Messenger für schulische Angelegenheiten eine Option, sodass auf Whatsapp nur noch die private Kommunikation stattfindet. (gk)

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