WERBUNG

Die Digitalisierung zieht sich als Einfluss durch all unsere Lebensbereiche. Aber welche Auswirkungen hat das digitale Schreiben auf unsere Sprache und Kommunikation? Die Sprachwissenschaftlerin Karina Frick ging dieser und weiteren Fragen auf die Spur.

Frau Frick, Sie referieren ­heute Abend im Haus Gutenberg in Balzers zum Thema «Sprachverfall durch das Internet»? Wie kam es zu diesem Referatstitel?
Karina Frick: Wenn es um das Thema Sprache im Internet geht, bestehen viele Ängste: Dass wir verlernen, wie man richtig schreibt zum Beispiel, oder dass wir durch die sozialen Medien asozial werden. Oft ist deshalb in den Medien – aber auch ganz generell in Gesprächen – davon die Rede, dass das Internet die Sprache kaputt mache. Als Sprachwissenschaftlerin interessiert mich natürlich, ob das tatsächlich so ist. Das Fragezeichen im Titel ist deshalb ganz bewusst gesetzt, weil ich versuche, diese Frage, die sich viele Menschen stellen, aus sprachwissenschaftlicher Perspektive zu beantworten.

Mit welchen Fragen setzen Sie sich in ihrem Referat auseinander?
Ich befasse mich in meinem Referat grundsätzlich mit drei Punkten: Zunächst gebe ich einen Rückblick darauf, wie sich das Schreiben zwischen Telegramm und Tweet eigentlich verändert hat und welche Aspekte bei der Untersuchung und Bewertung digitaler Kommunikation wichtig sind. Zweitens gebe ich einen Einblick, wie sich das digitale Schreiben aktuell gestaltet und welche Merkmale typischerweise mit der Sprache im Internet assoziiert sind. Zum Schluss möchte ich noch einen Ausblick auf mögliche Zukunftsszenarien, und zwar vor dem Hintergrund der Frage, ob Emojis die neue Weltsprache sind, geben.

Wie hat das digitale Zeit­alter unsere Art zu kommunizieren beeinflusst und welche Konsequenzen haben sich hieraus ergeben?
Das Internet hat die Art und Weise, wie wir kommunizieren, tiefgreifend verändert. Wir können heute mit unseren mobilen Geräten jederzeit und überall ganz umstandslos miteinander kommunizieren. Das hat verschiedene Konsequenzen, allem voran, dass das Tempo alltäglicher Kommunikation viel höher geworden ist als früher. Während man bei einem Brief zunächst ein paar Tage warten musste, bis er überhaupt ankommt, erwarte ich bei einem WhatsApp unmittelbar eine Antwort – vor allem wenn ich sehe, dass mein Gegenüber es schon gelesen hat. Verabredungen sind deshalb heute viel weniger verbindlich als früher – man kann ja im letzten Moment noch absagen. Auch ist es heute beispielsweise viel einfacher, Bilder in die Kommunikation zu integrieren oder Tondateien zu verschicken.

Die digitale Kommunikation werde des Öfteren in der ­Öffentlichkeit negativ wahrgenommen. Warum?
Einerseits gibt es Befürchtungen die Sprachkompetenz betreffend, dass also die Kommunikation im Internet einen negativen Einfluss darauf hat, wie gut oder schlecht jemand schreiben kann. Es wird beispielsweise oft angenommen, dass Jugendliche heute viel mehr Fehler machen als früher. Andererseits hat die digitale Kommunikation auch Einfluss auf unser Kommunikationsverhalten: Wir verbringen viel zu viel Zeit mit unseren mobilen Geräten, der Stellenwert von persönlichen Gesprächen sinkt und wir vereinsamen vor den Bildschirmen – so jedenfalls die Befürchtungen. Inwiefern diese zutreffen, darauf werde ich in meinem Referat eingehen.

Die Zunahme von Anglizismen oder Abkürzungen sollen grosse Sorge bereiten – wie die immer schlechter werdende Rechtschreib- und Lesekompetenz von Jugend­lichen. Gibt es diesbezüglich Studien, die diese Aussagen widerlegen?
Ja, die gibt es. Besonders in der Sprachwissenschaft gab und gibt es immer wieder Untersuchungen zur Frage, welchen Einfluss das Internet auf die Sprachkompetenzen von Jugendlichen hat. Die meisten Studien kommen allerdings zum Schluss, dass ihre Sprachkompetenzen insgesamt nicht schlechter sind als die von früheren Generationen und dass Jugendliche sehr wohl dazu in der Lage sind zu unterscheiden, in welcher Situation welche Ausdrucksweise angemessen ist. Man muss auch bedenken, dass Jugendliche heute viel mehr Schreibsituationen meistern müssen. Denn unbestitten ist, dass heute so viel geschrieben wird wie nie zuvor – und dass dieses Schreiben in ganz unterschiedlichen Kontexten stattfindet.

Sie werden am heutigen Referatsabend aktuelle Beispiele aus linguistischer Perspek­tive präsentieren. Können Sie uns diesbezüglich bereits jetzt einen kleinen Einblick geben?
Ich werde Beispiele präsentieren, die typische sprachliche Merkmale digitaler Kommunikation enthalten, also zum Beispiel Whats­App-Nachrichten mit Anglizismen und Abkürzungen, Facebook-Posts mit zahllosen Ausrufezeichen oder E-Mails, die konsequent kleingeschrieben sind. Zudem gehe ich etwas ausführlicher auf das Thema Emojis ein und zeige, warum und wie diese in der digitalen Kommunikation eingesetzt werden. Darüber hinaus werde ich auch auf die Frage eingehen, welche konkreten Gefahren die digitale Kommunikation mit sich bringen kann – sowohl auf der Ebene der Sprache als auch auf der Ebene des Kommunikationsverhaltens.

Wie «digital» kommunizieren Sie, oder bevorzugen Sie den persönlichen Austausch?
Ich persönlich bin ein grosser Fan digitaler Kommunikation und nutze sie gerne und häufig: von klassischen E-Mails oder Online-Plattformen bei der Arbeit über WhatsApp, Instagram, Twitter und Snapchat im Privatleben. Dennoch möchte ich den persönlichen Austausch natürlich keinesfalls missen. Digitale Kommunikation ist für mich im Grunde genommen eine Ergänzung dazu. In manchen Situationen ist es aber tatsächlich so, dass das Internet die Kommunikation wesentlich erleichtert bzw. überhaupt erst ­ermöglicht, beispielsweise wenn ich mit meiner Familie oder mit Freunden in Liechtenstein kommunizieren möchte. Ich nutze Onlinetools darüber hinaus auch gerne dazu, um mir meinen Alltag zu erleichtern: Sei es durch E-Banking, durch digitale Einkaufslisten oder Sport-Apps. Wie viele Stunden ich täglich online bin, weiss ich gar nicht. Das müsste ich mal messen.

Vortragsinformationen
Das Referat «Sprachverfall durch das Internet?» findet heute um 19 Uhr im Haus Gutenberg in Balzers statt. Die Referentin Dr. Karina Frick stammt aus Balzers und arbeitet an der Universität Zürich in der Hochschuldidaktik. Es wird um eine Anmeldung gebeten.

WERBUNG

Kommentieren Sie den Artikel

Geben Sie hier bitte Ihren Kommentar ein
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein