Im Gegensatz zum traditionellen Ultraschall sehen Schwangere ihren Nachwuchs in der Praxis Fetalmed dreidimensional und live. Das Ultraschallbild dürfen sie als 3D-Druck mit nach Hause nehmen . Bilder: bc

Ein 3D-Modell des Babys anstatt nur Ultraschallbilder: Neue Technologien und ein 3D-Drucker machen es möglich. Das «Liechtensteiner Vaterland» durfte Victoria Eugster aus Mauren zu Gynäkologin Claudia Salostowitz nach St. Gallen begleiten.

Auf Victoria Eugster wartet ein aufregender Tag. Nicht nur, weil sie ihrem dritten Kind in Echtzeit per 4D-Ultraschall zuschauen wird, sondern vor allem, weil sie einen Ausdruck erhält, wodurch sie es in den Händen halten darf. Möglich macht das Claudia Salostowitz, die sich mit ihrer Praxis Fetalmed auf Ultraschalldiagnostik und -aufnahmen spezialisiert hat. Davon erfahren hat die werdende Mutter durch eine Kollegin: «Sie hatte einen Ausdruck ihres ungeborenen Kindes aufgestellt, und ich fand das eine wunderschöne Idee und bleibende Erinnerung, worauf ich Kontakt mit der Frauenärztin aufgenommen habe.»

Lebensechte Nachbildung als 3D-Druck
Die Vorfreude während einer Schwangerschaft ist unbeschreiblich. Oft verbringen Eltern unzählige Stunden damit, sich vorzustellen, wie das Baby wohl aussehen, riechen oder klingen wird. So geht es auch Victoria Eugster und ihrem Mann Peter, die bereits Eltern zweier Jungs namens Laurin (4,5) und Julian (2,5) sind. Eine Neugier, die Claudia Salostowitz durch ihre speziellen Hightechgeräte vorab etwas stillen kann. Denn die Frauenärztin bietet nicht nur 3D- und 4D-Ultraschall, sondern auch eine lebensechte Nachbildung des ungeborenen Nachwuchses als 3D-Druck an. Während die Kosten für gynäkologische Routineuntersuchungen von den Krankenkassen bezahlt werden, müssen Schwangere den 3D-Druck von rund 500 Franken selbst bezahlen. Geld, das Victoria Eugster für diese besondere Erinnerung gerne in die Hand nimmt: «Jedes Kind ist ein Wunder und hätte es diese Möglichkeit damals schon gegeben, hätte ich es auch bei den Jungs machen lassen.» Die Praxis Fetalmed befindet sich in der oberen Etage eines Gebäudes inmitten des St. Galler Zentrums. Die Frauenärztin führt in ihrer Praxis keine gynäkologischen Routineuntersuchungen durch, sondern konzentriert sich vorwiegend auf komplexe Fälle: «Schwerpunkt meiner Arbeit ist es, Gynäkologen und Kollegen bei spezieller Geburtshilfe, spezielle vorgeburtliche Untersuchungen und unsicheren Befunden zu unterstützen», erklärt Claudia Salostowitz. Sie untersucht Frauen mit erschwerten Schwangerschaftsbedingungen – wie erhöhtes Alter oder Diabetes – und arbeitet zudem eng mit dem Zentrum für humangenetische Diagnostik und Beratung zusammen. Einen Einblick in das, was Claudia Salostowitz mit ihren speziellen Hightechgeräten alles möglich ist, erhält man beim Empfangstresen: 3D-Modelle von ungeborenen Babys sind aufgestellt, aber auch lebensechte Nachbildungen ihrer Gesichter und die Silhouetten werdender Mütter. «Das alles lässt Elternherzen regelmässig höher schlagen», sagt die Frauenärztin. Diagnostisch gesehen, sei es aber nicht sonderlich hilfreich. «3D- und 4D-Ultraschall biete ich rein aus Freude an den Möglichkeiten an.» Die 3D-Modelle empfiehlt sie ab der 14. Woche. «Je grösser die Babys sind, desto schwieriger wird es, einen ganzen Ausdruck von ihnen zu bekommen», erklärt Claudia Salostowitz. Die Gesichtsaufnahmen seien ab der 26. Schwangerschaftswoche perfekt. Die Silhouette mache sie anhand eines 3D-Scans.

«Nicht lukrativ, aber Freude überwiegt»
Victoria Eugster hat es sich im Ultraschallzimmer bequem gemacht. Bevor die 3D- und 4D-Aufnahmen beginnen, lässt sie die Frauenärztin wissen, dass sie sich beim Geschlecht – wie bei ihren Jungs auch – überraschen lassen will. Dann überträgt Claudia Salostowitz nacheinander Bilder des ungeborenen Kindes auf den grossen Flatscreen an der Wand, auf den die werdende Mutter gespannt schaut. Die Freude ist Victoria Eugster ins Gesicht geschrieben, sie strahlt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus und lässt ungeniert ein paar Tränchen kullern. Zeit ist das, was die Schwangeren für diesen Ultraschall mitbringen müssen, da die Frauenärztin nicht weiss, wie lange sie braucht, um das perfekte Bild für den 3D-Druck zu bekommen: «Ach, ich könnte stundenlang hier liegen bleiben und dem Baby zuschauen», meint die Schwangere schmunzelnd. Nach den Standbildern folgen Echtzeit-Videos. Es ist faszinierend zu sehen, wie der Embryo auf und ab hüpft und seine Hände lebhaft herumwandern. «Würde ich die Kosten nach Aufwand berechnen, wäre das Angebot zu hoch und nicht tragbar», sagt die Frauenärztin. Denn nicht nur während des Ultraschalls werden die Bilder mittels Grafikprogramm bearbeitet. Das gleiche gilt vor allem auch für das Bild, das schliesslich für den 3D-Druck ausgesucht wird. Der Ausdruck des realitätsnahen Ultraschallbilds erfolgt dann mit einem 3D-Drucker, den Claudia Salostowitz von einem Unternehmen in Balzers gekauft hat. Dieser Vorgang dauert nochmals teilweise zirka acht Stunden. «Das Angebot ist zwar nicht lukrativ, aber die Freude an der Sache überwiegt», so die Ärztin.

Frauenärztin in den Armen der werdenden Mutter
Was Victoria Eugster schliesslich in den Händen hält, ist ein Abbild ihres ungeborenen Wunders in bioabbaubarem Kunststoff – hübsch verpackt und eingerahmt. Die Freude darüber ist so gross, dass die werdende Mutter die Frauenärztin kurzerhand in die Arme schliesst. Der Besuch in der St. Galler Fetalmed soll nicht ihr Letzter gewesen sein: «Ich komme bestimmt nochmals, um auch noch einen Abdruck des Gesichts meines Babys zu machen.»

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