Gynäkologin Claudia Salostowitz hat sich mit ihrer Praxis in St. Gallen auf Ultraschalldiagnostik und -aufnahmen spezialisiert. Da die neuste dreidimensionale Technologie millimetergenaue Aufnahmen erlaubt, entstand die Idee, das Bild des Embryos mittels eines 3D-Drucker auszudrucken.

Weshalb braucht es einen 3D-Druck?
Claudia Salostowitz: Weil er wunderbare Möglichkeiten bietet. Im Gegensatz zum traditionellen Ultraschall, wie ihn der Frauenarzt oder die Frauenärztin zur Diagnostik verwendet, sieht man seinen Nachwuchs dadurch dreidimensional und live. Die Methode des 3D-Ultraschalls, die eine räumliche Darstellung des ungeborenen Kindes erlaubt, wird um eine Dimension, nämlich die Zeit (4D), ergänzt. Dadurch lassen sich sogar Kindesbewegungen in Echtzeit darstellen. Einerseits sind die Aufnahmen und vor allem der 3D-Druck für werdende Eltern eine schöne Erinnerung, die sie mit nach Hause nehmen dürfen. Andererseits, und das ist mir wichtig, ist es nicht nur hinsichtlich der Anschaulichkeit bei Defekten, zum Beispiel Bauchwandhernien, einem offenen Rücken, einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, Gliedmassen-Auffälligkeiten oder Amputationsdefekten, Hirnausstülpungen etc. sinnvoll, sondern es wird in Zukunft auch immer bessere Möglichkeiten geben, einzelne Organe mit 3D darzustellen. Die High-Tech-Maschine kann das zwar in Teilen bereits, aber es ist noch viel in Entwicklung.

Wie wichtig ist diese Methode für Schwangere?
Sie ist sehr wertvoll für werdende Mütter. Bindungsprobleme sind in der heutigen Zeit nicht selten, und manche Frauen fühlen sich erst schwanger, wenn sie meinen, dass alles in Ordnung ist. Das heisst nach der Ersttrimesteruntersuchung. Der äussere Druck eines gesunden Kindes ist enorm.

Inwieweit ist der Ultraschall diagnostisch-medizinisch hilfreich?
Nach wie vor geht es bei Ultraschall in der Pränataldiagnostik nicht «ums Sieben», weshalb viele Frauen von vornherein ein detaillierten Ultraschall ablehnen, sondern um die bestmögliche Vorbereitung der werdenden Eltern. Vor allem psychisch, falls das Kind einen Defekt haben sollte. Und um das Wohl des Babys, welches – wenn es schon gehandicapt sein sollte – einen optimalen Start ins Leben braucht. Für mich ist da nicht die Lösung, Pränataldiagnostik einfach abzulehnen und es nicht wissen zu wollen. Denn Verantwortung heisst auch hinsehen, sich einstellen, vorbereiten und das Baby nicht einer Situation aussetzen, in der es mit dem Hubschrauber notfallmässig versorgt werden muss.

Wird dadurch ein Abbruch nicht wahrscheinlicher?
Natürlich geht es bei Pränataldiagnostik auch immer um das heisse Thema des Schwangerschaftsabbruchs. Auch hier ist die Devise: Schauen, Prüfen, Abwägen. Das Paar ist dasjenige, das zu tragen hat: Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie, Reittherapie etc. Und nicht nur das: Ein krankes oder stark behindertes Kind bedeutet eine familiäre Belastungsprobe, unter anderem ist es auch verbunden mit relevanten finanziellen Problemen. Ich verdenke es in solchen Fällen keinem Paar, wenn es meint, das nicht zu schaffen! Und für diese Paare, ist die Entscheidung – die im übrigen nie und bei keinem Paar leicht ist – gegen ein Kind, manchmal auch ein Segen.

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