An der Zollstrasse in Schaan wurde auf kleinen Plakaten Werbung für die Webseite gemacht.

Angeschwärzt Kürzlich wurde die Webseite schwarzeschafe.li – Finanzplatz in Gefahr – aufgeschaltet. Auf dem Blog werden Treuhänder als «schwarze Schafe» für den Finanzplatz angekreidet. Wer die Verfasser sind, ist unbekannt. Betroffene reagieren empört.

Schwarze Schafe – Finanzplatz in Gefahr. So wird der Leser der Webseite schwarzeschafe.li begrüsst. Auf dem Titelbild in Schwarz-Weiss ist das Schloss ­Vaduz vor verschneiten Bergen zu sehen.

Unter dem Menüpunkt «Finanzplatz in Gefahr» heisst es: «Durch diverse Finanzskandale, die über unser Land hereinprasseln, wird uns allen vor Augen geführt, dass wir in Liechtenstein ein massives Problem haben.» Darauf werden einige Zeitungsartikel gelistet und darauf hingewiesen, dass an Reformen gearbeitet wird und dass man sich der Probleme bewusst sei.

Nach dem versöhnlichen Teil wird Gas gegeben: «Das eigentliche Problem des Finanzplatzes Liechtenstein sind aber ohnehin nicht das nachzuschärfende Regelwerk und das System, sondern die schwarzen Schafe, die das System zu ihrem Vorteil – teilweise in krimineller Absicht – in unredlicher oder schädlicher Weise ausnutzen. Diese Personen und Unternehmen bringen den gesamten Finanzplatz in Liechtenstein in Gefahr.» Diesen schwarzen Schafen sei der Blog gewidmet.

Anonymer Insider als Verfasser

Wer hinter der Seite steckt, ist unklar. Als Halter der Domain figuriert ein Unternehmen in Dubai, registriert wurde über ein Unternehmen in den Niederlanden. Derzeit gibt sich der Verfasser des Inhalts der Seite nicht zu erkennen. Zu seinen Beweggründen schreibt er, es gehe nicht um «Nestbeschmutzen», sondern um ein «Reformanliegen». Der Verfasser bezeichnet sich als Kenner der Treuhandbranche: «Ich kenne das System von innen, und bin, ohne dass ich Rückschlüsse auf mein doch etwas fortgeschrittenes Alter geben möchte, jahrzehntelanger Insider des Treuhänderwesens im Ländle. » Zudem sei er nicht allein. Es gäbe «eine Reihe kleiner Unterstützer».

Zu erkennen gibt sich die Person derzeit nicht: «Nachdem manches auf dieser Seite Publizierte nicht nur Freude und Begeisterung hervorrufen wird, muss ich – zumindest vorerst – aus reinem Selbstschutz anonym bleiben.»

«Schwarze Schafe» sind keine Unbekannten

Drei sogenannte schwarze Schafe werden aufgelistet. Zuerst Harry Gstöhl, der letzten Herbst wegen Untreue, Betrug und Geldwäsche zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Diesen Herbst kamen in einem zweiten Prozess zwei weitere Jahre hinzu: Insgesamt wurde Gstöhl zu acht Jahren verurteilt.

Als weiteres Beispiel wird der Fall von Mario Staggl genannt. Der Treuhänder sitzt seit Frühling in Untersuchungshaft. Gegen ihn besteht der dringende Tatverdacht der Untreue, der Veruntreuung und des schweren Betrugs zum Nachteil der Kunden.

Als drittes Beispiel wird Marxer und Partner Rechtsanwälte in Vaduz genannt. «Aktivitäten» würden den Status «schwarzes Schaf» rechtfertigen. Darauf wird auf den Fall aus der Buwog-Grasser-Affäre in Österreich verwiesen. Ein Anwalt von Marxer und Partner soll beschlagnahmte Unterlagen in Zusammenhang mit der Affäre vom Gericht ohne Erlaubnis mitgenommen haben. Der Anwalt wurde jedoch in letzter Instanz vom Vorwurf freigesprochen. Trotzdem sei laut dem Blogger ein Imageschaden für den Finanzplatz entstanden, weshalb der Titel «Schwarzes Schaf» gerechtfertigt sei. Weiters wird «diskussionswürdiges Verhalten bei Stiftungskonstruktionen» erwähnt. So sei versucht worden, «Stiftungsvermögen von einem Stiftungsverband in einen neu ­gegründeten Stiftungsverband zu transferieren – offenbar mit dem Ziel, einzelne Stiftungsbegünstigte aus den Stiftungen zu entfernen.» So der Vorwurf im Blog, der sich auf «vertrauliche Quellen im Umfeld des Obersten Gerichtshofs» beruft.

«Fassungslos und befremdet»

Klar keine Freude hat man bei der Kanzlei Marxer und Partner. «Ich bin fassungslos und befremdet», sagt Johannes Burger, Partner bei der Kanzlei. «Marxer und Partner wird auf der Webseite quasi in einem Atemzug mit einem verurteilten Verbrecher sowie einem Beschuldigten in Untersuchungshaft genannt.» Das gehe gar nicht. Zumal es bei den beiden geschilderten Sachverhalten in einem Fall einen Freispruch gegeben hatte, beim anderen Fall das Verfahren noch hängig ist. Ob Marxer und Partner rechtliche Schritte einleiten wird, ist noch unklar. «Wir haben erst seit gestern Nachmittag Kenntnis von der Webseite und deren Inhalte», sagt Burger. Zuerst müsse er sich mit den anderen Partnern über das weitere Vorgehen austauschen. Doch selbst wenn, sei ja unklar, mit wem man es zu tun hat. Im Impressum fehlt der Hinweis auf den Verfasser. Dazu Burger: «Anonym andere anprangern ist feige.»

Ob jemand anderes bereits Anzeige eingereicht hat, konnte gestern nicht abgeklärt werden. Auf eine Anfrage gestern Nachmittag vom «Vaterland» beim Gericht hiess es nur, dass der Sprecher nicht mehr vor Ort sei und eine Stellvertretung gebe es keine.

Schilder liegen auf Wiese

Dieser Tage wurde in der Umgebung von Schaan mit Schildern auf den Blog aufmerksam gemacht. Wer diese aufgestellt hat, ist unbekannt. Allerdings waren sie nicht lange sichtbar. Ein Augenschein vor Ort zeigte gestern, dass die Schilder auf dem Feld am Boden lagen. Ob sie absichtlich umgestossen oder vom Wind umgeblasen wurden, ist nicht bekannt. (jeb)

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