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«Nur Bares ist Wahres», gilt noch für die meisten Schweizer und Liechtensteiner. Neue digitale Bezahlformen werden nur verhalten genutzt. Noch überwiegen Sicherheitsbedenken und fehlende Mehrwerte gegenüber dem Gewohnten.

Die Brötchen beim Bäcker am Samstagsmorgen einfach und bequem mit dem Smartphone bezahlen oder im Ausgang keinen Bankomaten mehr suchen müssen. Dies ist keine Zukunftsvision mehr. Im Gegenteil. Im Juni hat Google in Deutschland seinen Bezahldienst Google Pay eingeführt. Und vor zwei Wochen wurde bekannt, dass es dafür ab sofort nicht einmal mehr eine klassische Bank braucht. Google hat Paypal (als Bank) und Mastercard an Bord geholt. Dabei stellt Google Pay allen Paypal-Kunden eine virtuelle Mastercard zur Verfügung. Für diesen Schritt muss der Kunde jedoch keine Massnahmen ergreifen. Kunden müssen lediglich ihr Paypal-Konto in der Google-Pay-App als Zahlungsmethode hinterlegen. Damit kann ohne weiteren Aufwand an allen Akzeptanzstellen, an denen kontaktloses Bezahlen angeboten wird, mit dem Smartphone bezahlt werden. Wann diese Möglichkeit auch in der Schweiz und Liechtenstein eingeführt wird, ist noch nicht bekannt.

Ganz offensichtlich ist hier aber auch keine Eile geboten, denn das Zahlungsverhalten verändert sich hierzulande nur im Zeitlupentempo, wie aus dem erstmals durchgeführten «Swiss Payment Monitor» der ZHAW School of Management and Law und der Universität St. Gallen hervorgeht. Für die repräsentative Studie wurden 2017 über 1000 Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren aus drei Landesteilen der Schweiz befragt.

Bargeld nicht wegzudenken

Gemessen an der Anzahl Transaktionen ist Bargeld immer noch das häufigst genutzte Zahlungsmittel im stationären Handel. Die Debitkarte (z. B. Maestro-Karte) liegt umsatzmässig mit 37 Prozent der Ausgaben jedoch auf dem ersten Platz, gefolgt von Bargeld (36 Prozent) und der Kreditkarte (23 Prozent). Trotz dem bisher stabilen Zahlungsverhalten der Schweizerinnen und Schweizer zeichnet sich gemäss den Studien-Autoren ein allmählicher Wandel ab. «Bargeld ist zwar nach wie vor nicht aus dem Alltag wegzudenken, jedoch wächst das Interesse an anderen Zahlungsmitteln bei der Bevölkerung stetig» wird Bettina Gehring, ZHAW-Forscherin und Mitautorin der Studie in einer Medienmitteilung zitiert. 44 Prozent der Befragten sind Mischzahler, welche situationsbedingt mit unterschiedlichen Zahlungsmitteln bezahlen. Neben individuellen Präferenzen spielen vor allem der Zahlungsort und die Höhe des Betrages eine bedeutende Rolle.

Karten erst ab 20 Franken

Im umsatzstarken Detailhandel dominieren die Kartenzahlungen. Bargeld wird dagegen häufiger in Restaurants, Bäckereien, an Kiosken oder Take-aways eingesetzt. Die Kreditkarte wird im Einzelhandel für längerfristige Anschaffungen, an Tankstellen oder auf Reisen gezückt. Mit Blick auf den Zahlbetrag werden im stationären Handel Kleinbeträge bis 20 Franken nach wie vor überwiegend bar beglichen. Dies verwundert nicht. In der Schweiz – dies dürfte in Liechtenstein nicht anders aussehen – haben die meisten Personen noch etwas Kleingeld in der Hosentasche. Im Durchschnitt sind es gemäss der Studie zwischen 20 und 120 Franken. Nur gerade 2 Prozent der Befragten haben angeben, überhaupt kein Bargeld mitzuführen.

Als wichtigste Faktoren bei der Wahl des Zahlungsmittels gelten Sicherheit und keine zusätzlichen Gebühren. «Gerade beim Thema Geld ist die Sicherheit zentral», sagt Sandro Graf, ZHAW-Zahlungsmittelexperte und Mitautor der Studie. Dies zeigt sich auch bei den neuen Bezahlmöglichkeiten wie etwa beim kontaktlosen oder mobilen Bezahlen: «Hier herrscht eine gewisse Skepsis vor, weil sie bezüglich Sicherheit als unzureichend wahrgenommen werden. Dies verlangsamt ihre Verbreitung», so Graf. So sind die neuen digitalen Bezahlformen zwar bereits bekannt, werden jedoch mit Umsatzteilen im einstelligen Bereich noch verhalten genutzt. So liegt der Umsatzanteil von kontaktlosem Bezahlen mit der Karte erst bei knapp 7 Prozent, derjenige von mobilem Bezahlen sogar unter 2 Prozent. Trotzdem sehen die Studienautoren, dass diese Bezahlverfahren künftig Fuss fassen werden. Gemäss Tobias Trütsch, Ökonom an der Universität St. Gallen, besteht vor allem bei den Nutzern dieser Bezahlverfahren noch Potenzial. «Über 70 Prozent dieser Personen könnten sich vorstellen, diese in den nächsten drei Jahren häufiger zu nutzen – vorausgesetzt, die Grundanforderungen wie verbesserte Sicherheit sind erfüllt und die entsprechenden Angebote in der Lage, echte Probleme des Nutzers zu lösen.» Gemäss den Aussagen der Befragten bieten die neuen gegenüber den klassischen Zahlungsmitteln derzeit noch zu wenige Mehrwerte, damit diese als Alternative in Erwägung gezogen werden.

Konkurrenz für Banken

Die Kooperation von Google, Paypal und Mastercard zeigt aber, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis das Bezahlen mit dem Smartphone so normal ist wie mit einer Karte. Vor allem beweist dieser Schritt auch, dass vor allem die grossen Technologie-Konzerne künftig den Banken mehr und mehr Konkurrenz machen werden. Viele Fachleute gehen sogar davon aus, dass die grossen US-Plattformen den Kampf um mobile Bezahllösungen gewinnen werden. Der einfache Grund: Sie bieten technisch gut gemachte und einheitliche Lösungen für unterschiedliche Karten und Konten. Die klassischen Banken arbeiten aber meist – wenn überhaupt – an eigenen Lösungen. Bis diese fertig und brauchbar sind, ist der Kunde schon weg. (sap)


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