Am ersten Code Camp in Liechtenstein tauchten die Teilnehmer in die Welt des Programmierens ein. Dabei sind 25 abwechslungsreiche Videospiele entstanden. Bild: Tatjana Schnalzger
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Vergangene Woche nahmen 25 Kinder am ersten Code Camp teil. Im Technopark Liechtenstein tüftelten sie drei Tage lang an ihren eigenen Computerspielen, wobei sie Erfahrungen in der App-Entwicklung sammelten.

Im Technopark Liechtenstein sitzen 25 Mädchen und Jungen, die zwischen sieben und zwölf Jahre alt sind, gebannt an ihren Laptops. Sie sind völlig auf ihre selbst programmierten Spiele fixiert, an denen sie zu diesem Zeitpunkt fleissig arbeiten. In einem der Spiele muss ein fliegender Weihnachtsmann durch die Levels gelotst werden, während am nächsten Laptop ein weiteres Abenteuer mit einem völlig anderen Held wartet. Vorne auf der Bühne macht ein Ausbildner die einzelnen Progammierschritte vor, vermittelt neue Inhalte. Weitere Assistenten laufen durch die Reihen, um den Kindern bei individuellen Problemen weiterzuhelfen. Solch eine Szene erlebten die Teilnehmer des ersten Code Camps in Liechtenstein.

Innerhalb von drei Tagen wurden diese auf spielerische Art in die App-Programmierung eingeführt. «Wir wollen den Kindern zeigen, wie ein Computer eigentlich funktioniert», erläutert Mitorganisator Jaap Vossen die Motivation hinter dem Projekt. «Denn ohne die Befehle von uns Nutzern sind die Rechner eigentlich ziemlich dumm.»

Viele Anmeldungen

Liechtenstein ist erst das dritte Land, in dem ein solches Code Camp stattfindet. 2013 wurde das Konzept von zwei australischen Unternehmern ins Leben gerufen. Einige Zeit später sind Schweizer Programmierer unterwegs zufällig auf das Projekt aufmerksam geworden, da einige Kinder auf dem Inselkontinent blaue T-Shirts mit einem auffälligen Schriftzug trugen: «I build my own app at Code Camp.» Nach Umsetzungen in der Schweiz ist das Konzept nun auch nach Liechtenstein gelangt. Ursprünglich war bloss ein Termin vom 17. bis 19. Oktober vorgesehen. Aufgrund der zahlreichen Anfragen findet nun an drei Wochenenden ein weiterer Kurs statt. «Wir brauchen eine überschaubare Gruppe, um die Teilnehmer angemessen betreuen zu können. Deshalb sind 25 Kinder pro Code Camp das Maximum», erklärt Vossen.

Das Code Camp soll das logische Denken der Teilnehmer fördern, indem sie beim Programmieren verschiedene Probleme meistern und einmal einen anderen Blickwinkel einnehmen. Zudem kann es der Einstieg in ein abwechslungsreiches Berufsfeld sein, falls die eine oder der andere Gefallen am Programmieren findet. Eine Mehrheit der Teilnehmer steige nach dem Einführungskurs aus, berichtet Vossen. «Die meisten finden den Einblick in das Thema aber spannend. Wer sich für das Programmieren begeistert, nimmt auch an den Fortbildungskursen teil.»

Eigenes Spiel erschaffen

Das am Code Camp verwendete Programm ist webbasiert, sodass die Teilnehmer ihre Spiele auch von Zuhause aus weiterentwickeln und Tutorials anschauen können. Genauso lassen sich mit den vermittelten Werkzeugen neue Abenteuer schaffen, die sie anschliessend per Link an Freunde und Bekannte schicken können. Aufgebaut ist der Lehrgang in drei Einheiten, wobei vergangene Woche der Einführungskurs «Sparks» stattfand. Dieser stellte den Teilnehmern die sogenannte «Drag and Drop»-Programmierung vor, bei der sich einzelne Befehle per Maus auf die Benutzeroberfläche ziehen lassen. Zur Auswahl stehen unter anderem diverse Hintergründe, Figuren und Items. Die Vielfalt entfachte bei den Kindern die Kreativität, weshalb während den drei Tagen abwechslungsreiche Welten entstanden sind. Herausforderungen hierbei waren das Setzen von Levelübergängen und das Zurechtfinden auf den Koordinatenachsen. Einige der Teilnehmer sind durch die Befehle ausserdem zum ersten Mal in Kontakt mit der englischen Sprache gekommen, was ihnen später in der Schule weiterhilft. Die Weiterbildungen «Ignite» und «Blast 3D», welche der Technopark Liechtenstein als Fortsetzungen für Liechtenstein plant, gehen einen Schritt weiter und decken die klassische Programmierung mit Quelltext ab. Wer sämtliche Kurse erfolgreich abgeschlossen hat, kann mithilfe der Skriptsprache Java schliesslich auf eigene Faust dreidimensionale Computerspiele kreieren.

Spass im Vordergrund

«Obwohl alle Kinder denselben Baukasten erhielten, sind komplett unterschiedliche Spiele entstanden», zieht Jaap Vossen das Fazit vom Anlass in Liechtenstein. Der Mitorganisator hofft, dass sich die Teilnehmer auch nach dem Code Camp online in das Programm einloggen und weiterhin programmieren. Eine Sache steht bei der Veranstaltung jedoch klar im Vordergrund: «Hauptsache ist, dass die Kinder mächtig viel Spass haben.» (gk)


Noah Meier, 9 Jahre

«Ich programmiere schon seit einer Weile. Obwohl meine Mutter mich für talentiert hält, konnte ich am Code Camp trotzdem einige Sachen kennenlernen, die mir bisher nicht bekannt waren. Es war eine spannende Erfahrung. Ich kann mir gut vorstellen, später einmal in dieser Branche zu arbeiten.»

Aron Nägele, 7 Jahre

«Mein Pate ist häufiger im Technopark Liechtenstein und hat dadurch vom Code Camp erfahren. Als er mich angefragt hat, sagte ich sofort zu. Wir haben gelernt, wie man Befehle in einen Computer eingibt. Es ist cool, wenn eine Figur deinen Kommandos gehorcht und dein Videospiel tatsächlich funktioniert.»

Antonella Winter, 8 Jahre

«Ich wusste bis vor Kurzem überhaupt nicht, dass ich am Code Camp teilnehme. Meine Eltern haben mich einfach dafür angemeldet. Zuerst hatte ich ziemlichen Respekt vor dem Programmieren und dass ich etwas falsch machen könnte. Aber bereits am ersten Tag habe ich drei ganze Levels für mein Spiel gemacht.»

Severin Quaderer, 11 Jahre

«Wir haben schon in der Schule programmiert. Deshalb meldete ich mich sofort für das Code Camp an, nachdem meine Mutter in der Zeitung davon gelesen hatte. Ich finde es eine tolle Idee, dass wir unsere eigenen Videospiele machen konnten. Vor allem das Testen von diesen hat mir ziemlich viel Spass gemacht.»

Carlo Rohrer, 8 Jahre

«Mir wurde die Teilnahme am Code Camp von meinem Vater empfohlen, weil dieser sich sehr für das Programmieren interessiert. Zuhause darf ich nicht so oft an den Computer, aber wenn ich jetzt einmal daran sitze, werde ich wahrscheinlich neue Videospiele machen und diese gleich ausprobieren.»

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