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Selfies machen, Essen posten, unterhalten. Das denken die Meisten, wenn es um Influencer geht. Dabei steckt viel mehr in dem ganzen Geschäft. An einem Diplomlehrgang kann man seit letztem Freitag sogar zum Influencer ausgebildet werden.

Als «Digital Natives» gelten Personen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind und etwa zwischen 14 und 30 Jahre alt sind. Praktisch jeder aus dieser Generation ist bereits einmal über das Wort «Influencer» gestolpert und hat sich – bewusst oder unbewusst – mit Influencern beschäftigt. Ob auf Facebook, Instagram, Snapchat, Youtube oder in anderen sozialen Medien: Influencer haben in verschiedenen Themenbereichen wie Beauty, Fitness, Gaming, Alltag, Technik oder anderem das Internet erobert, und man kann sie kaum mehr ignorieren. Während ältere Generationen Influencer oft kritisch beäugen, vertrauen vor allem Teenager ihren Idolen vielfach blind. Dementsprechend deutlich fiel auch eine Umfrage der «Werbewoche» zum Thema Mediennutzung aus. Bereits 30 Prozent der Digital Natives halten Influencer für glaubwürdiger als klassische Medien. Tendenz: steigend.

Business immer professioneller

Influencer sind jedoch nicht nur bei den Social-Media-Usern beliebt. Auch Unternehmen nutzen Influencer längst zur Vermarktung ihrer Produkte. Die «Werbung» kommt meist sehr authentisch rüber, zumal die Instagramer & Co. nahe an ihrer Community sind und oft eine Vorbildfunktion einnehmen. Dementsprechend werden die meisten Influencer mit grosser Reichweite heutzutage von Agenturen betreut, die bei der Produktion von Posts aber auch der strategischen Beratung zur Seite stehen. Also wann was wo gepostet werden soll.

Wie sehr sich das ganze Geschäft um die Influencer entwickelt hat, wird klar, wenn man auf die Bezeichnung «Dipl. Influencer» stösst. Am letzten Freitag ist an der «Swiss Digital Influencer Academy» der erste Diplomlehrgang für Influencer gestartet worden und macht den Begriff zur offiziellen Berufsbezeichnung. Gegenüber «fm1 today» erklärte Ralph Kohler, Schulleiter der Influencer Academy: «Es ist ein Bedürfnis der Unternehmen, dass es in der Schweiz gute Influencer gibt. In diesem Bereich fliesst sehr viel Geld. Da ist es nur angebracht, eine professionelle Ausbildung anzubieten.»

Während 40 Unterrichtstagen, die über sechs oder zwölf Monate verteilt sind, werden angehende Influencer in verschiedensten Bereichen geschult. Laut Kohler reicht es lange nicht aus zu wissen, wie man das «perfekte Selfie» schiesst. «Die Studenten sollen lernen, wie sie mit einem Post eine gute Geschichte erzählen können.» Dementsprechend stehen neben der Fotografie und der Webvideo-Produktion auch professionelles Texten, Content und Influencer Marketing, Personal Branding, Medienrecht und verschiedene Vertiefungsrichtungen des Influencer Marketings auf dem Stundenplan. Durch die Ausbildung und die Anerkennung des Berufs soll gleichzeitig auch das Image der Influencer aufpoliert werden. Denn nach wie vor seien viele, vor allem ältere Leute, der Meinung, dass wenig getan und dafür viel Geld verdient werde, sagt Kohler.

Zehn Personen sind in den ersten Lehrgang für Influencer gestartet. Der Unterricht wird dabei in einem virtuellen Klassenraum geführt. Um zum Diplomlehrgang zugelassen zu sein, muss man selbst noch gar nicht zwingend eine grosse Reichweite haben. Entweder muss man von einem Unternehmen als Influencer auserkoren worden sein oder als Quereinsteiger mindestens 20 Jahre alt sein und eine Berufslehre absolviert haben. Nach der Ausbildung, die 400 Lektionen umfasst, muss eine Abschlussprüfung absolviert werden, bevor man sich als «diplomierten Influencer» bezeichnen kann.

Wunsch in Liechtenstein bekannt

Den Wunsch, Influencer zu werden, hat man auch beim Amt für Berufsbildung und Berufsberatung schon gespürt. Das Interesse für solche neuen Berufsbilder wie Youtuber und Digital Influencer mache sich zumindest zum Teil in den Beratungen bemerkbar, heisst es von Seiten des Amtes. Viele der Ratsuchenden seien dabei selbst in irgendeiner Form auf Social Media aktiv. Bisher hatte man in Sachen Berufsberatung aber eher das Gefühl, dass es sich um Interesse an der Thematik handelt. «Die Ratsuchenden sind sich in der Regel bewusst, dass es sich bei Berufen wie Youtuber oder Digital Influencer um keine längerfristigen und fundierten beruflichen Tätigkeiten handelt, weshalb sie im Rahmen von Beratungen eher als Hobby oder aus reiner Neugier angesprochen werden.» Wohin der Weg führt, ist noch nicht klar. Es wird sich zeigen, ob es in einigen Jahren auch in Liechtenstein vollberufliche Influencer geben wird, die mit ihrer Social Media Aktivität den eigenen Lebensunterhalt verdienen können. (sb)

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