Rund 150 Fachleute aus 5 Ländern und 13 Kantonen kamen nach Pontresina Bild: Fotoswiss.com
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Die Tourismusbranche in der Alpenregion tut gut daran, das Thema Gesundheit in alle Überlegungen für ihre Zukunft zu integrieren. Zu diesem Schluss kam die 4. Konferenz «Gesundheit & Tourismus» in Pontresina. 150 Fachbesucher aus fünf Ländern und 13 Schweizer Kantonen diskutierten einen Tag lang den Gesundheitstourismus im Alpenraum.

«Bei allem, was man im Tourismus tut, muss man die Ebene der Gesundheit mitbeachten», sagte der Tourismusexperte Professor Thomas Bieger stellvertretend für die Experten der Konferenz. Betriebe und Destinationen müssten sich voneinander differenzieren und klar positionierte Angebote auf den Markt bringen, unterstrich der Rektor der Universität St. Gallen vor rund 150 Zuhörern.

Um den Gesundheitstourismus in den Alpen vorwärts zu bringen, sind Leuchtturmprojekte besonders wichtig, ist der Bündner Gesundheitsdirektor, Regierungsrat Christian Rathgeb überzeugt. Graubünden dürfe sich aber nicht zurücklehnen. «Unsere Investoren haben die Auswahl zwischen verschiedenen Standorten und die umliegenden Länder und Kantone schlafen nicht», warnte er an die Adresse von Opponenten gegen Grossprojekte.

Grosszügiger Denken und Grenzen sprengen

Mangelnde Rechtssicherheit durch Einsprachen und lange Verfahren bemängelte auch Investor Christian Wenger, der VR-Präsident der in der Hotellerie und dem Gesundheitssektor aktiven AEVIS Victoria Gruppe. Die Zurückhaltung von Standorten und Bevölkerung könne auf Investoren abschreckend wirken. In einem flammenden Appell rief er die Bergregionen auf, grosszügiger zu denken und herkömmliche Grenzen zu sprengen. Statt auf die alternde Gesellschaft zu setzen, sollten diese wieder mehr tun, um junge Zielgruppen anzusprechen.

«Grosszügiger denken und Grenzen sprengen»: AEVIS Victoria VRP Chrstian Wenger Bild: fotowiss.com

Gerade bei den jüngeren Konsumenten habe ein Wertewandel eingesetzt, sagte der Vorsitzende der Steuerungsgruppe Gesundheitstourismus Graubünden, Philipp Gunzinger. «Jüngere Gäste sind sich der Bedeutung ihrer Gesundheit immer mehr bewusst.» Um im Gesundheitstourismus erfolgreich zu werden, müsse im Kanton Graubünden ein partnerschaftliches Denken einsetzen. «Eigeninitiative ist aber der wichtigste Faktor», sagte Gunzinger.

Der Wertewandel zur Gesundheitsorientierung und die ändernden Lebensbedingungen zogen sich wie ein rotes Band durch die Ausführungen der Referenten. Dabei biete der Trend zur Urbanisierung besondere Chancen, unterstrich Tourismusentwickler Bernhard Lehofer vom ITG Innovationsservice für Salzburg. Immer mehr Menschen litten unter einen Defizit an natürlicher Umgebung. «Wo wir in den Alpen blauen Himmel und viel Grün sehen, sehen sie immer nur Grau.» Das Marktpotential in den schnell wachsenden Städten sei entsprechend gross.

Spitäler bauen ab und eröffnen Chancen für den Tourismus

Der Architekt Magnus Nickl zeigte anhand von Kliniken aus mehreren Jahrzehnten, wie sich der Bau von Gesundheitseinrichtungen entwickelt hat. Krankenhäuser würden immer mehr auf grosse Bettenstationen verzichten, denn damit liesse sich kaum mehr Geld verdienen, sagte er. Da die Patienten nach Eingriffen trotzdem betreut werden wollten, könnten neben den Krankenhäusern neue Dienstleister im Gesundheitstourismus entstehen.

Ein wichtiges Thema der gut besuchten Konferenz war die Digitalisierung, die auch im Gesundheitstourismus Einzug hält. Die Region Unterengadin entwickelt derzeit eine Gesundheitsplattform, auf welcher Gäste bereits vor den Ferien erfasst, vor Ort durch Vital-Coaches trainiert und nach den Ferien weiter betreut werden. Die Gesundheitsregion Unterengadin erhofft sich vom Projekt eine bessere Gästebetreuung und –bindung für die Zukunft.

Erfolgsfaktor Mitarbeiter

Zum Schluss der Konferenz stellten wie immer zwei erfolgreiche Gastgeber ihre Betriebe vor: Christian Lienhard vom Hof Weissbad in Appenzell unterstrich die langfristige Ausrichtung und die Integration der Mitarbeitenden in alle seine Managemententscheide. Drei Viertel seiner Mitarbeitenden stammten aus der näheren Region und viele davon blieben dem Betrieb sehr lange treu.

Michael Gehring vom Alpina Mountain Resort im bündnerischen Tschiertschen rief seine Berufskollegen auf, sich vermehrt in gesundheitsorientierten Angeboten zu engagieren. Graubünden und die Alpenregion böten die allerbesten Grundvoraussetzungen, um im Gesundheitstourismus erfolgreich zu sein.

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