So wird es nichts mit dem Homeoffice: Genauso, wie das Bett kein adäquater Arbeitsplatz ist, ist der Pyjama keine ­angemessende Arbeitsbekleidung.
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Viele Berufstätige träumen vom Homeoffice, in der Praxis hat das aber seine Tücken – wenn man einige Punkte berücksichtigt, kann die Arbeit von zu Hause aber zum Erfolg werden.

Beruf und Familie verbinden, die Zeit besser einteilen oder bloss ungestört arbeiten. Das sind drei mögliche Gründe dafür, im Homeoffice zu arbeiten. Doch wie gelingt das am besten?

Entspannt in der Hängematte liegen, den Laptop auf den Beinen, vielleicht noch einen Cocktail in der Hand. Mit solchen naiven Klischeevorstellungen hat die Arbeit im heimischen Büro zwar nichts zu tun. Trotzdem würde etwa jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland gerne im Homeoffice arbeiten, wenn es erlaubt wäre. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Doch der Traum vom Büro in den eigenen vier Wänden hat auch seine Tücken: Soziale Isolation und Selbstausbeutung sind nur zwei der möglichen Risiken. Die folgenden Tipps helfen dabei, solche Fallen zu umgehen:

Tipp 1: Kontakt halten!

Aus den Augen, aus dem Sinn: Für Arbeitnehmer kann es zum Problem werden, wenn sie den Kontakt zur Firma verlieren. «Wenn man von zu Hause arbeitet, kann man noch so fleissig sein, die anderen sehen es nicht», sagt Jennifer Reckow vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Sie rät, «sich virtuell öfter zu zeigen, als man es tun würde, wenn man im Büro sitzt». Und auch für das eigene psychische Wohlbefinden sei es wichtig, die eigene Rolle in der Firma zu kennen, sagt Julia Scharnhorst, Vorsitzende der Sektion Gesundheits-, Umwelt- und Schriftpsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP).

Tipp 2: Arbeitsbereich schaffen!

Arbeiten zwischen Abwasch und Bügelwäsche – das funktioniert für die wenigsten. Statt mit dem Laptop am Küchentisch zu sitzen, sollten sich Arbeitnehmer zu Hause einen festen Arbeitsplatz mit vernünftigen Arbeitsmitteln schaffen, empfiehlt Scharnhorst. «Man sollte darauf achten, nicht mitten im Gewusel zu arbeiten, sondern hinter sich die Tür zumachen zu können», sagt die Psychologin.

Tipp 3: Grenzen setzen!

Im Homeoffice regiert der Schlendrian? Von wegen! «Viele Leute arbeiten eher mehr, aus lauter schlechtem Gewissen. Die Tendenz geht in Richtung Selbstausbeutung», sagt Julia Scharnhorst. Meistens kommen dabei mehrere Gründe zusammen: Erstens das Gefühl, man müsste ständig erreichbar sein – zweitens aber auch der Anspruch, neben dem Beruf noch Haushalt und Kinderbetreuung zu schaffen. Damit die Arbeit daheim nicht irgendwann im Burnout endet, empfiehlt die Psychologin, klare Regeln für die eigene Arbeitszeit festzusetzen – und diese auch der Familie, den Kollegen und Vorgesetzten zu kommunizieren.

Tipp 4: Arbeit dokumentieren!

Das Zeitmanagement ist vielleicht die grösste Herausforderung im Homeoffice. Denn Ablenkungen drohen mehr oder weniger ständig, wenn sich Beruf und Privatleben überschneiden. «Man sollte seine Arbeitszeit dokumentieren, das ist in den meisten Fällen notwendig und sinnvoll», sagt Rechtsanwalt Strunk.

Tipp 5: Pausen machen!

Wer fleissig ist, braucht auch Pausen – im Büro und im Zuhause gleichermassen. «Doch Pausen werden häufig gar nicht oder nicht regelmässig genommen», sagt Scharnhorst. Stattdessen will man häufig noch schnell etwas im Haushalt erledigen, die Erholungszeiten kommen zu kurz. Die Psychologin rät deshalb: «Man sollte sich Pausenzeiten fest einplanen. Das erfordert Selbstdisziplin, führt aber dazu, Arbeit und Privates besser zu trennen.» Ein Cocktail muss es da ja nicht gleich sein – die Hängematte ist aber vielleicht gar keine schlechte Idee.

Regel: Nicht im Bett!

Und zum Schluss kein Tipp, sondern eine goldene Regel: Genauso, wie das Bett kein adäquater Arbeitsplatz ist, ist der Pyjama keine angemessene Arbeitsbekleidung. Schnell passiert es, dass man im Homeoffice in die Gemütlichkeitsfalle tappt und in der Konsequenz nur noch Jogginghosen trägt. Also: aufstehen, duschen, anziehen und sich darüber freuen, dass es nicht das Business-Outfit sein muss, sondern die Lieblingsjeans sein kann. (red/dpa)


Auch das Unternehmen kann profitieren:

Homeoffice ist bei Mitarbeitern beliebt, aber bei Arbeitgebern umstritten. Das US-Magazin «Inc.» hat aus diversen Studien fünf gute Gründe zusammengestellt, wie Unternehmen profitieren, wenn sie Homeoffice ermöglichen.

1. Höhere Produktivität

Die Harvard Business Review berichtet über eine Stanford-Studie bei der chinesischen Reise-Website Ctrip. Eine Hälfte der Studienteilnehmer durfte wahlweise von zu Hause aus arbeiten, die andere Hälfte musste jeden Tag zum Callcenter ins Büro kommen. Ergebnis: Die Heimarbeiter bearbeiteten 13,5  Prozent mehr Anrufe als die Kollegen vor Ort im Callcenter. Eine andere Studie des Meinungsforschungsinstituts Gallup kam zum Ergebnis, dass sich Angestellte, die drei bis vier Tage die Woche von zu Hause aus arbeiten dürfen, mit einer 33-prozentigen Wahrscheinlichkeit eher «engagiert» fühlen als jene, die täglich ins Büro müssen. Die Studien verweisen das Vorurteil vom faulen Heimarbeiter in das Reich der Fantasie.

2. Geringere Fluktuation

Es kommt noch besser: Heimarbeit kann in der Firma zu einem verbesserten Personalmanagement führen. Die bereits erwähnte Ctrip-Studie hat nämlich ausserdem ergeben, dass Heimarbeiter deutlich zufriedener mit ihrem Job sind und nur halb so oft den Job kündigen als Büroangestellte. Zudem kann die Option Homeoffice dazu führen, dass man freigewordene Stellen leichter neu besetzen kann. Eine Studie der Uni Akron, Ohio, hat herausgefunden, dass 41 Prozent der sogenannten Millennials lieber elektronisch kommunizieren statt direkt oder übers Telefon. Homeoffice könnte für solche Leute ein attraktives Angebot sein.

3. Geringere Bürokosten

Eine Studie der Uni Sydney mit 47 000 Büroangestellten hat herausgefunden, dass die meisten zufriedener und produktiver sind, wenn sie nicht in Grossraumbüros arbeiten müssen. Heim­arbeit zu ermöglichen ist für Firmen die mit Abstand günstigste Methode, Mitarbeitern Rückzugsmöglichkeiten während der Arbeitszeit zu bieten. Heimarbeiter sorgen ausserdem in der Regel selbst für ihre Büroausstattung zu Hause und sparen dem Unternehmen während der Heimarbeit Nebenkosten wie Strom, Snacks oder Wasser. Wer die Möglichkeit hat, wahlweise zu Hause in Ruhe zu arbeiten, nimmt die Hektik eines Grossraumbüros eher in Kauf und erlebt diese Arbeitssituation vielleicht sogar als angenehme Abwechslung.

4. Geringerer Krankenstand

Das US-amerikanische Bureau of Labor Statistics hat ausgerechnet, dass durch Abwesenheiten pro Jahr in den USA 2,8 Mio. Arbeitstage verloren gehen. Arbeitnehmer, die von zu Hause aus arbeiten können, sind in der Regel eher bereit, bei kleineren Unpässlichkeiten weiterzuarbeiten, da u. a. der stressige Arbeitsweg wegfällt. Ausserdem gibt es bei Heimarbeitern nicht das Risiko, dass sie Kollegen im Büro anstecken.

5. Geringere Lohnkosten

Die American Economic Review hat berichtet, dass Angestellte im Schnitt bereit sind, für die Möglichkeit zur Heimarbeit auf 8 Prozent ihres Lohns zu verzichten. Das ergibt Sinn, da man sich den kosten- und zeitintensiven täglichen Weg zur Arbeit spart.


Pro / Contra

· Positive Umgebung für das kreative Arbeiten · Erhöhte Ablenkungsgefahr (die Couch ist nur ein paar Meter entfernt)
· Eigener, flexibler Arbeitsrhytmus · Die Grenzen von Arbeit und Privatsphäre ­verschwinden, nicht jeder mag das
· Gut für eine positive Work-Life-Balance (sehr familienfreundlich) · Fehlender persönlicher, sozialer Kontakt zu ­Kollegen kann für manche unbefriedigend sein
· Kein Zeitverlust aufgrund von langen Arbeitswegen · Aufbau von Beziehungen zu Kollegen ist schwieriger
· Ersparnis von Kosten für Benzin, Verpflegung, etc. · Co-Working ist anhand der modernen Kommunikationsmittel zwar möglich, aber schwierig
· Geringeres Krankheitsrisiko (keine Ansteckungs­gefahr durch Kollegen) · Kein spontanes Brainstorming (in der Küche, beim Kaffeautomaten, in der Raucherecke)
· Keine langweiligen Teammeetings oder nervige ­Kollegen
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