Kurz vor dem Crash: Blockchain-Infoveranstaltung. Screenshot: Vimeo
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Die Vorstellung des Blockchain-Gesetzes am 21. Juni an der Universität Liechtenstein drohte kurzzeitig zur Lach­nummer zu werden: Nach den Einführungsworten von ­Regierungschef Adrian Hasler ­gelang es nicht, die Powerpoint-Präsentation des nachfolgenden Referenten zu starten. Der ­Laptop stürzte ab – so richtig ­heftig mit «Reagiert-nicht-mehr»-Dialogfeldern. Nach ­verzweifelten Versuchen, via Task Manager das Win­dows wiederzubeleben, musste die Kiste abgewürgt werden. Doch auch der erzwungene Neustart half nicht: Die PPT hängte sich stets auf. Schliesslich gelang es irgend­jemandem, einen anderen Laptop aufzutreiben. Es gab dann noch die üblichen Schwierigkeiten mit der Verbindung zum Beamer (HDMI? VGA?), aber nach ca. 15 Minuten, also einer Ewigkeit, konnte die Präsentation endlich starten.

Platz 37 für Liechtenstein

Cable, ein Britischer Vergleichsdienst für Breitbandangebote, publizierte unlängst die Rangliste der «Worldwide broadband speed league». Die gute Nachricht: Liechtenstein kletterte im Vergleich zum Vorjahr um sieben Plätze nach oben. Theoretisch müsste es also möglich sein, schreibt Cable, in Liechtenstein einen HD-Film mit 5 GB Grösse in 38 Minuten herunterzuladen. Das reicht für Platz 37, und damit sind wir bei der schlechten Nachricht: In Singapur, das die Rangliste anführt, geht das fast vier Mal schneller (11 Minuten), auch die Schweiz, Deutschland und Grossbritannien liegen deutlich vor uns. Plakativer: Auch Andorra, Rumänien, Madagaskar und Litauen sind besser platziert.

Digitale Agenda pendent

Der Spielverderber könnte jetzt schlaumeiern: Lasst uns zuerst Powerpoint in den Griff kriegen und schnelle Internet-Leitungen bauen, dann können wir darüber reden, wie ein Blockchain-Gesetz eine «Chance für Europa ist, den Wohlstand, Frieden und Zusammenhalt zu stärken» und den «Jugendlichen in Entwicklungsländern eine Perspektive bietet» (Regierungschef Adrian Hasler). Vielleicht waren die Regierungskollegen ähnlicher Ansicht, als sie kurz vor der Sommerpause der Alpha-Version des Vernehmlassungsberichts zum Blockchain-Gesetz die Zustimmung verweigerten. Vielleicht fehlte ihnen auch der Überbau einer «Digitalen Agenda», die im Regierungsprogramm als «zentrales Handlungsfeld der neuen Legislaturperiode» geplant ist. Die lässt noch auf sich warten und so gibt es derzeit eher viele digitale Pendenzen statt einer digitalen Agenda.

Nicht so negativ

Schwamm drüber: Jeder hat schon mal erlebt, wie er am Beamer scheiterte. Jeder weiss, dass dann Sekunden zu Minuten werden und es keinen gesichtswahrenden Ausweg gibt. Von Linked­In-Gründer Reid Hoffmann ist das aufmunternde Zitat überliefert: «If you’re not embarrassed by the first version of your product, you’ve launched too late.» Wenn dir die erste Version deines Produkts später nicht peinlich ist, bist du zu spät damit gestartet. Und die Schweiz hat seit 2017 einen «Digital Action Plan», scheint aber nicht Lichtjahre voraus zu sein.

Vernehmlassung startet

Die Fragen innerhalb der Regierung wurden über die Sommerpause offenbar geklärt: Vergangene Woche konnte der Regierungschef den Vernehmlassungsbericht zum Blockchain-Gesetz vorstellen. Noch gibt es keine substanziellen Analysen oder Reaktionen aus der Community. Kein Wunder, die Blockchain-Gemeinschaft ist stark internationalisiert und wird gespannt auf die englische Ver­sion des Vernehmlassungsberichts warten.

Vorbelastete Personalie

Einige Experten runzeln derweil immer noch die Stirn, warum Johann Gevers als Referent bei der Veranstaltung vom 21. Juni ­aufgetreten ist. Gevers ist bekannt durch seine Funktion als Stiftungsratspräsident der Tezos ­Stiftung in Zug, die er im Februar 2018 nach langem Streit mit den Tezos-Gründern Arthur und ­Kathleen Breitman abgab. Die ­unschöne Geschichte: Das US-Ehepaar Arthur und Kathleen Breitman will eine eigene ­Blockchain-Umgebung mit Smart Contracts und Apps ­entwickeln und sammelte dazu im Juli 2017 mit einem Initial Coin Offering (ICO) der Tezos ­Stiftung 232 Millionen Dollar ein – ein ­riesiger Erfolg. Das Geld war nun unter Kontrolle des Stiftungs­ratspräsidenten Johann Gevers, doch der zerstritt sich mit den Gründern über die Verwendung der Mittel. Nach sechs Sammelklagen von Investoren und einer wüsten Kampagne der Tezos-Community gab Gevers schliesslich auf. Auch Gevers’ zweites ­Engagement, sein Start-up ­Monetas, endete mit einem ­Zerwürfnis mit den Investoren. Die Vorwürfe: Vertragsbruch, ­absichtliche Falschinformationen, falsch verwendete Gelder. «In ­Sachen Tezos und nun auch ­Monetas hat Gevers viel Goodwill verbraucht und seinen Ruf ­erheblich beschädigt», schreibt das Newsportal finews.ch.

Wer selbst investiert

Die Lieblingsfrage meines Chefs, wenn wir vor einer ­Investitionsentscheidung stehen, lautet: «Würdest du auch dein ­eigenes Geld darin investieren?» Das wäre doch ein echtes ­Bekenntnis zur Blockchain-Technologie: Der Finanzminister könnte das Anlagereglement anpassen und einen Teil des Staatsvermögens in Kryptowährungen anlegen. Ob und wie viel Geld Adrian Hasler privat in Kryptowährungen oder Token investiert hat, ist nicht bekannt. (db)

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