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15000 Schweizer und Liechtensteiner haben die App «QuickZoll» seit ihrer Lancierung im März heruntergeladen. Eine Erfolgsgeschichte ist die App noch nicht.

U34 ist nicht etwa der Name einer neuen Band. So heisst das Formular, mit dem Reisende und Einkaufstouristen die Mehrwertsteuer zurückfordern. Für viele Schweizer und Liechtensteiner ist das Formular kein unbekanntes. Sie kauften allein im vergangenen Jahr für rund 110 Millionen Euro in Vorarlberg ein und machten dann am Zoll halt. «Im Jahr 2017 wurden in Vorarlberg insgesamt fast 1,1 Millionen Touristenexporte abgestempelt», erklärt Johannes Paquali vom Bundesministerium für Finanzen in Wien. Auf die Zollstelle Tisis in Richtung Schaanwald entfallen davon alleine 185 000 Stempel. Vor allem an den Wochenenden führt das zu Blechlawinen an den Grenzstellen.

Verkehrsentlastung nur eine kleine Hoffnung

Mit der neuen App werden diese voraussichtlich auch nicht abnehmen: Wenn die in Vorarlberg eingekauften Waren den Betrag von 300 Franken überschreiten, dann müssen Einkaufstouristen und Reisende noch immer bei den Österreichern haltmachen mit ihrem Formular – für den Stempel. Jener ist notwendig, um die Mehrwertsteuer zurückzubekommen. Auf die Arbeit der österreichischen Grenzbeamten hat die App keinen Einfluss und eine spürbare Entlastung des Verkehrs erwarte man laut Pasquali auch nicht. Theoretisch könnte sich der Verkehr ein wenig verlagern, so die kleine Hoffnung der Schweizer Zollverwaltung, denn es könnten beispielsweise auch nicht besetzte Grenzübergänge genutzt werden. Nach Aussagen des Lustenauer Bürgermeisters Kurt Fischer sei vor allem wichtig, dass die Mehrwertsteuer-Rückvergütungen, die sich sehr stark auf Lustenau konzentrieren, künftig mit einem digitalen Workflow an jedem Grenzübergang möglich sind, wie er gegenüber dem ORF sagte. Das würde einiges erleichtern. Bei den 1,2 Millionen Formularen für die Rückvergütung der Mehrwertsteuer wird bereits an einer digitalen Lösung gearbeitet.

Wenn die Grenzen nicht besetzt sind

Wer QuickZoll verwendet und die Spielregeln beachtet, kann zumindest die Schweizer Grenze ganz ohne Halt passieren, wobei Stichproben weiterhin möglich sind. Zudem ermöglicht QuickZoll laut Zollverwaltung eine schnelle und einfache Verzollung im fahrenden Zug, beim Flugverkehr, wo der grüne Durchgang verwendet werden darf, oder an unbesetzten Grenzübergängen sowie ausserhalb der Öffnungszeiten der Zollstellen. Für Statistiken, wie oft die App genutzt wird, sowie Aussagen über eigene Erfahrungen und Nutzer-Feedbacks ist es laut Zollverwaltung noch zu früh. «Wir nehmen keine solch kurzfristigen Auswertungen vor», heisst es auf Anfrage. «Aufgrund der Statistiken von Apple Store und Google Play wissen wir jedoch, dass bereits weit über 15 000 Personen die App heruntergeladen haben», erklärt David Marquis von der Zollverwaltung auf Anfrage.

App stösst auf Kritik

So praktisch die App wirkt, einen Haken scheint es für die Nutzer dennoch zu geben. Dieser liegt im Steuersatz. «Hiermit bestätige ich, dass ich den einheitlichen Mehrwertsteuersatz von 7,7 Prozent bei der Verzollung von Waren akzeptiere», ploppt beim Start der App auf. Um QuickZoll überhaupt verwenden zu können, müssen Nutzer diesem Passus zustimmen. Bei den Konsumentenschützern stösst dieser einheitliche Mehrwertsteuersatz von 7,7 Prozent in der App auf Ablehnung. Denn für Lebensmittel, Medikamente und zum Beispiel Bücher gilt ein reduzierter Satz von 2,5 Prozent. «Würde man diese Option zulassen, gäbe es zwar vermehrt Fälle, bei denen die Waren falsch verzollt würden. Trotzdem müsste diese Möglichkeit zumindest als Option zwingend angeboten werden», sagte André Bähler von der Stiftung für Konsumentenschutz unlängst diesbezügich.

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