Heinrich Hiesinger, CEO der Thyssenkrupp, weist darauf hin, dass Digitalisierung den Leute keine Angst machen darf. Man muss auf die Chancen hinweisen. 
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Die Digitalisierung ist eine grosse Herausforderung. Darin waren sich am Unternehmertag gestern Nachmittag alle Sprecher einig. Am Anlass in der Spoerry-Halle in Vaduz nahmen rund 500 Personen teil.

«Unternehmerischer Erfolg in der digitalen Welt» war das Motto der Veranstaltung. Dass sich Erfolg einstellt, ist nicht jedoch nicht selbstverständlich und auch nicht vorhersehbar, da es keine Erfahrungswerte gibt und sich die technologischen Fortschritte in raschem Tempo entwickeln. Um die Herausforderungen zu meistern, müssen sich die Unternehmen in ihrem Denken und Handeln anpassen, sind sich die Referenten am Anlass einig. Altbewährte Konzepte und Führungsstile müssen angepasst werden. Referent Wolfgang Jenewein zitierte Charles Darwin, der sagte, nicht der Stärkste oder Intelligenteste werde überleben, sondern derjenige, der sich am besten dem Wandel anpassen kann.

Dank Daten Pannen zuvorkommen
Anpassen musste sich auch Thyssenkrupp. Diesen Job übernahm CEO Heinrich Hiesinger. «Er kam, sah und sanierte», führte Moderatorin Mona Vetsch den Wirtschaftskapitän vor seinem Referat ein. «Wir stehen bei der Digitalisierung erst am Anfang.» Es komme noch viel auf sie zu. Für Unternehmen sei das nur schon deswegen eine Herausforderung, weil es keine Erfahrungswerte gebe. Es gilt also, selbst auszuprobieren und daraus zu lernen. Bei Thyssenkrupp etwa musste jede Einheit ein Projekt zum Thema Datenanalyse und eines zum Internet der Dinge planen und umsetzen. «Nicht alles hat funktioniert, aber wir haben daraus viel gelernt.»

Erfolgreich war das Datenprojekt der Sparte Aufzüge. Die Lifte wurden mit Microchips ausgestattet, die Daten in die Cloud lieferten, die man analysieren konnte. Aufgrund von Erfahrungswerten konnte festgestellt werden, welche Aufzüge bald einen Ausfall haben werden. «Dank diesen Informationen können die Aufzüge bereits gewartet werden, bevor sie still stehen», sagte Hiesinger. Zudem wisse der Mechaniker meist, welche Ersatzteile er mitnehmen sollte und der Kundendienst sucht mit dem Kunden einen Termin, an welchem der Lift nicht stark frequentiert ist. «Dieses Projekt der Digitalisierung bringt für Kunden sowie für uns viele Vorteile.»

Voraussetzung zum erreichen der Innovation war, dass sich die Unternehmenskultur änderte. Früher herrschte bei Thyssenkrupp Silo- und Hierarchiedenken. Das sei heute nicht mehr so. Vor allem das Zusammenarbeiten, auch mit externen Partnern ausserhalb des Konzerns, sei unabdingbar, wenn man Fortschritte machen möchte.

So hat Thyssenkrupp etwa zusammen mit Microsoft ein Tool entwickelt, welches die Aussendienstmitarbeiter dank einer Datenbrille inklusive Kamera mit Informationen versorgt. Sollte einmal ein Servicemitarbeiter bei einer Liftreparatur nicht mehr selber weiter wissen, kann er via Skype mit einem Spezialisten im Büro Kontakt aufnehmen. Dieser sieht über die in der Brille integrierte Kamera das Problem beim Lift und kann so sogar dem Mitarbeiter durch die Sensoren in der Brille zeigen, wo er Hand anlegen muss. Auf diese neue Möglichkeiten müssten sich die Mitarbeiter einlassen und die Chancen für sich sehen, meint Hiesinger.

«Wenn man über Digitalisierung spricht, dann ist wichtig, dass man den Leuten damit keine Angst macht», sagte er weiter. Es werde mit all den vielen kaum verständlichen Worten bei den Leuten Verunsicherung ausgelöst. Das sei unnötig. «Die Digitalisierung bietet Chancen. Diese müssen wir ausfindig machen und nutzen.» Klar sei, dass Digitalisierung nicht nur eine vorübergehende Modeerscheinung sei, sondern die Unternehmenswelt gerade verändert.

 

Mitarbeiter auf Boot gesteckt
Referent Hiesinger kam mit seinen Voten beim Publikum gut an. Geteilter waren die Meinungen bei Tom Hanan, Gründer Webrepublic und Entrepreneur of the year 2017. «Der hat mehr Werbung in eigener Sache gemacht, als über das Thema unternehmerischer Erfolg in der digitalen Welt zu philosophieren», so ein Teilnehmer in der Kaffeepause. Die Idee, das ganze Team drei Tage auf ein Boot zu stecken, um dort Visionen auszutauschen und zu entwickeln sei jedoch ein «interessanter Ansatz», meinte eine andere Teilnehmerin.

Dass ein Kulturwandel nötig ist, betonte auch Refernt Stephan Sigrist, Gründer der Denkfabrik Wire. Es gelte, die Eigenverantwortung der Mitarbeiter zu stärken und eine Kultur des Lernens und der Offenheit zu implementieren.

Offenheit müssten gerade Führungskräfte an den Tag legen, insistierte Referent Wolfgang Jenewein, Professor an der HSG, der sich vor allem mit dem Thema Führung in der Wirtschaft und im Sport beschäftigt. «Gute Führungskräfte hinterfragen immer wieder ihr Geschäftsmodell.» Das sei heute nötig, denn der Wandel verläuft schnell. Jenewein spricht sogar von einem digitalen Tornado. Gefährdet seien vor allem Unternehmen, denen es gut läuft. Denn die erfolgreichen Firmen lehnen Veränderungen am vehementesten ab und verpassen so Chancen.

Schlüssel um den Tornado ohne Blessuren zu überstehen seien die Mitarbeitenden. Damit sie sich auf einen Veränderungsprozess einlassen, sei es wichtig, dass Chancen aufgezeigt werden und man als Team mit Selbstbewusstsein die Chancen anpackt. «Offenheit und Agilität sind wichtige Faktoren, um die Veränderungen zu meistern.»

Infrastruktur und Arbeitskräfte für das Land
Um die Digitalisierung im Land voranzutreiben, ist auch eine entsprechende Infrastruktur wichtig. Darauf verwies Regierungsrat Daniel Risch (VU) am Anlass. «Innovation folgt der Infrastruktur», sagte er. Deshalb setzte das Land zum Beispiel auf den raschen Glasfaserausbau, damit Unternehmen in Liechtenstein eine Datenautobahn vorfinden. Ziel sei es, bis im Jahre 2020 90 Prozent des Landes mit Glasfaser erschlossen zu haben.

Alex Vogt, CEO und Mitinhaber von Optics Balzers wies im Gespräch mit Moderatorin Mona Vetsch darauf hin, dass für eine erfolgreiche Digitalisierung im Land auch die entsprechenden Fachkräfte brauche. Es sei nicht immer einfach, die nötigen Leute zu bekommen oder zu halten. Offenbar fühlen sich die zugewanderten Fachleute nicht immer ganz wohl. «Wir sind hier noch zu wenig gastfreundlich.»

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