WERBUNG

Viele tragen schon Sensoren, wenn sie Sport treiben. Dass man so einfach Puls, Blutdruck und anderes messen kann, verändert auch die Medizin. Das hat man nicht nur im Silicon Valley gemerkt, sondern auch an den Schweizer Spitälern.

Der Mensch übernimmt die Vermessung seines Körpers gleich selbst. Neue Technologien machen’s möglich: Bereits mehr als 320000 Medizin-Apps gibts weltweit für Smartphones. Mittels kleiner Hilfsgeräte könnten Herzfrequenz bestimmt, Hirnströme oder der eigene Augeninnendruck gemessen werden. Schritte werden gezählt, Dauer und Tiefe des Schlafs registriert – und vieles mehr. Täglich kommen Hunderte neuer Applikationen hinzu. In absehbarer Zeit werden Patienten mit akkuraten Diagnosen zum Arzt kommen. Kein Wunder, drängen nicht nur Siemens, sondern auch die grossen Tech-Riesen Apple, Google, Facebook und Amazon mit Macht in diesen Markt. No vartis ist auch dabei. «Wir sind auf dem Weg zu einer personalisierten Medizin», sagt Thomas Hach, Leiter des «Health Care Systems» von Novartis. «Ich bin selbst Diabetiker und habe lange auf diesem Fachgebiet gearbeitet. Und ich habe in der Klinik erkannt, dass man nicht jeden Patienten gleich behandeln kann.» Am Beispiel eines Herz-Kreislauf-Medikaments habe man an 10000 Patienten gesehen, dass es eine Gruppe gibt, bei der es gut wirkt, und eine andere, bei derdies nicht der Fall ist. «Ich muss also Patienten aussortieren können, die für die Studie keinen Nutzen haben. Das ist der erste Schritt in der Personalisierung.»

«Der Arzt bleibt für die Therapie ganz wichtig»

Man stösst bei den meisten Medikamenten auf unterschiedlich grosse Patientengruppen, die nicht ansprechen. «Wir wollen sie erkennen, indem wir mehr Daten anschauen», sagt Hach. Auch in anderen Bereichen spielen Daten eine bedeutende Rolle. Etwa bei der Entwicklung von Biomarkern, mit denen im Blut krankhafte Veränderungen frühzeitig erkannt werden können. Proteinmarker ermöglichten es bereits heute, wesentlich bessere Aussagen zu trefen, ob jemand einen Herzinfarkt erleiden wird. «Ich habe diesen Test gemacht», erzählt Hach. «Mit folgendem Resultat: Mein Risiko, in den nächsten fünf Jahren einen Herzinfarkt zu erleiden, liegt bei etwa 23 Prozent. Ein halbes Jahr später war ich auf 18 Prozent, weil ich mich anders ernährt habe.» So etwas, glaubt Hach, «bringt die Leute in Bewegung». Allerdings stehe die Medizin in all diesen Bereichen erst am Anfang. Novartis legt deshalb einen Fokus auf die Digitalisierung, das heisst auf das Sammeln, Auswerten und Integrieren von Daten. «Mit unseren Daten, mit Proteinmarkern und ein paar genetischen Markern sind wir in der Lage, bei Herzinsufzienz Subtypen zu unterscheiden und angepasst zu behandeln», sagt Thomas Hach. «Das war vorher nicht möglich.» Machen solche Fortschritte den Arzt mit der Zeit überfüssig? «Nein», sagt Thomas Hach sehr entschieden. «Der Arzt bleibt für die Therapie ganz wichtig. Aber der Patient wird stärker an der Behandlung teilhaben. In zehn Jahren wird er alle seine Daten im Smartphone mit sich tragen oder in der Cloud verfügbar haben. Dann kann er sich hoffentlich – entscheiden, wem er sie gibt. Wir nehmen Daten nur, wenn der Patient zugestimmt hat. Das ist manchmal aufwendig, aber notwendig.» Denn die Gesundheitsdaten gehören dem Patienten. Das betont auch Peter Meier- Abt, der Vizepräsident der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften. Auch seine Akademie befasst sich intensiv mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen, wobei Meier-Abt von Evolution und nicht von Revolution spricht. Und zwei wichtige Probleme anspricht, wenn er sagt: «Wir müssen darauf achten, dass wir die praktischen Ärzte mitnehmen, deshalb plädiere ich für mehr Langsamkeit. Und: Wir müssen die Datenqualität hoch halten. Das ist nicht so einfach.» Diese Erfahrung macht gerade Roland Haag, der Leiter Strategie und Entwicklung des Universitätsspitals Zürich.

Rolf App

WERBUNG

Kommentieren Sie den Artikel

Geben Sie hier bitte Ihren Kommentar ein
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein