Schweizer CEOs zeigen eine grosse Präsenz auf den sozialen Plattformen. In Liechtenstein gibt es noch Luft nach oben. Bilder: Twitter/Facebook
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Die Digitalisierung läuft in Schweizer Unternehmen auf Hochtouren – auch beim Thema Kommunikation. 53 Prozent der SMI-CEOs sind bislang in sozialen Netzwerken aktiv, zeigt eine aktuelle Auswertung. In Liechtenstein ist nur ein leichter Wandel spürbar.

Die Schweiz liegt im Ländervergleich mit Deutschland und Österreich vorn, was die Kommunikation auf sozialen Plattformen betrifft. Weiter zeigt die aktuelle Auswertung von der Strategieberatung Oliver Wyman: Die Frauen geben in den sozialen Medien den Ton an. Aus Liechtenstein existieren keine Zahlen, aber Michelle Kranz, Geschäftsführerin von Liechtenstein Marketing, ist ebenfalls eine fleissige Nutzerin der sozialen Medien: «Social Media sind für mich nicht nur ein Sprachrohr, um meine eigenen Gedanken und Meinungen zu äussern, sondern sind auch eine hervorragende Gelegenheit, zuzuhören und die Meinung anderer Menschen abzuholen.» Sie ist privat, sowohl als auch beruflich auf Facebook, Instagram, LinkedIN und Xing registriert. «Bei Twitter bin ich zwar privat angemeldet, poste aber geschäftliche Inhalte», so Kranz. Beim durchforsten ihres Twitter-Accounts ist dies gut ersichtlich. Es sind Einträge mit einem Hauch Eigenwerbung für das Land. Beispielsweise rund um den Empfang der Olympia Medaillengewinnerin Tina Weihrater. Gemeinsam mit Liechtenstein Marketing wurde die Empfangsfeier organisiert und durchgeführt. Für Kranz gehört tägliche Social Media Check zum Alltag dazu: «Ich bin definitiv weniger aktiv als der Präsident der USA, Donald Trump, aber aktiver als der Papst – und ich folge beiden auf Twitter», sagt sie und lacht.

Digital Gesicht zeigen

Mittlerweile nur noch geschäftlich, nutzt Alexander Putzer, Vorsitzende der Geschäftsleitung der Raiffeisen Privatbank Liechtenstein die sozialen Medien. Besonderer Fokus liegt rund um die Erhöhung und Erweiterung der Kontakte, sowie den Kontakt zu Bewerbern für ausgeschriebenen Stellen herzustellen. Viele Führungspersönlichkeiten haben erkannt, dass es wichtig sei auch digital Gesicht zu zeigen, meint Joris D’Incà, Schweizchef von Oliver Wyman. Dieser These stimmt Alexander Putzer zu: «Diese Art der Kommunikation bringt gerade für kleinere Unternehmen viele Vorteile.» Die gleiche Meinung teilt auch Michelle Kranz, denn Social Media sei aus der heutigen Kommunikationswelt nicht mehr wegzudenken, sei es nun in der persönlichen Kommunikation oder in der Geschäftswelt: «Es gehört heute schon fast zum guten Ton, dass die Führungsebene digital ihr Gesicht zeigt und zu verschiedenen Themen Stellung bezieht. In meinem Fall reduziere ich das auf geschäftliche Themen, ausser eben bei Instagram und Facebook, die ich privat nutze.» Auch Mitglieder der Fürstenfamilie sind aktiv auf den sozialen Medien. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein hat die Bedeutung der Digitalisierung bereits mehrfach in seinen Ansprachen und Reden thematisiert. Aus diesem Grund hat er auch das Patronat über die neue Standortinitiative digital-liechtenstein.li übernommen. Im Interview verriet er, dass er die digitalen Medien sowohl beruflich als auch privat nutze: «Ich versuche sie aber zurückhaltend primär dort einzusetzen, wo sie einen echten Mehrwert bringen.» S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein ist auf dem Kurznachrichtendienst Twitter sehr aktiv. Bisher hat er rund 4500 Tweets lanciert und hat 914 Follower.

Zu grosser Aufwand

Anders tickt Jens Breu, CEO der SFS in Heebrugg. Auf Anfrage erklärt er, dass er persönlich auf keiner der unzähligen sozialen Plattform aktiv ist. Der Grund: «Der Aufwand scheint mir zu hoch zu sein, um dies professionell zu führen. Gerade in Zusammenhang mit meiner beruflichen Funktion müssten allenfalls zusätzlich bei SFS Kapazitäten genutzt werden, um eine markengerechte und hohe Qualität sicher zu stellen». In grösseren Unternehmen mit direktem Zugang zu Konsumenten möge dies Sinn machen, so Breu. «Bei SFS sind wir als Entwicklungspartner in der industriellen Lieferkette positioniert (B2B). Hier ist es uns wichtig die Marke SFS, die Leistungsfähigkeit der Firma und das gesamte SFS Team in den Vordergrund zu stellen und zu positionieren». Ein eigener und persönlicher Aufritt als SFS CEO in den sozialen Medien würde an dieser Stelle nicht zielführend sein.

Grosse Präsenz in der Schweiz

SMI-Chefs wie Sergio Ermotti von der UBS und Alain Dehaze von Adecco beweisen, dass sich Entscheidungsgewalt und Social-Media-Aktivität nicht ausschliessen. Und sie zeigen, welche Anziehungskraft Führungspersönlichkeiten Schweizer Konzerne entfalten können, wenn sie sich der Kommunikation in den digitalen Netzwerken öffnen. Mit mehr als 149 000 und über 31 000 LinkedIn-Followern führen Ermotti und Dehaze die Liste der in den sozialen Medien aktivsten SMI-Vorstände an. Bis zu seinem Ausscheiden als CEO von Novartis Ende Januar lag Joseph Jimenez mit 206 000 LinkedIn-Followern vorn. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Strategieberatung Oliver Wyman. Wenngleich Jimenez, Ermotti und Dehaze als Leuchttürme aufgepasst werden können: Schweizer CEOs sind in den sozialen Medien deutlich aktiver als ihre Pendants in den Nachbarländern. Mit 53 Prozent der CEOs im SMI sind mehr als doppelt so viele Geschäftsführer in den sozialen Medien aktiv wie in Deutschland, wo nur 23 Prozent der DAX-CEOs auf den Onlineplattformen vertreten sind. In Österreich sind immerhin 47 Prozent der ATX-CEOs in den sozialen Medien anzutreffen. Von den übrigen Vorständen nutzen in der Schweiz sogar 64 Prozent soziale Medien – auch hier liegen die Schweizer im Vergleich zu den Deutschen und Österreichern (je 52 Prozent) vorn. Im Gegensatz zu LinkedIn ist Twitter jedoch noch Neuland für die SMI-Vorstände: Hier haben nur 8 Prozent einen Account, in Deutschland sind es 12 Prozent.

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