Daniel Bargetze, Geschäftsführer Vaduzer Medienhaus AG. Bild: VMAG
WERBUNG

Hat sich jemand schon mal ausgemalt, wo Liechtenstein ohne das Personen- und Gesellschaftsrecht (PGR) stünde, das 1926 in Kraft getreten ist? Vermutlich nicht – warum sollte er auch: Der Mehrwert von «Was-wäre-wenn»-Fragen ist äusserst beschränkt und das Szenario bestimmt kein schönes. Denn die Forschung ist sich einig: Das PGR war für Liechtenstein ein grossartiger Erfolg, ja, eine der wichtigsten Grundlagen für das wirtschaftliche Wachstum und den Wohlstand Liechtensteins. In einem Beitrag des Liechtenstein Instituts heisst es: «Durch dieses umfassende Gesetzeswerk versprach sich der damalige Gesetzgeber die wirtschaftliche Lage und die der Bevölkerung zu verbessern. Das Gesetz sollte einerseits den liechtensteinischen Verhältnissen Rechnung tragen, andererseits fremdes Kapital in grösserem Masse als bisher nach Liechtenstein bringen. Eine liberale Gestaltung des Gesellschaftsrechts sollte das Interesse ausländischen Kapitals erwecken, das als neue indirekte Einnahmequelle des Staates eine Steuererleichterung der Bürger zur Folge haben sollte.» Wer das liest und auf Liechtenstein blickt, hat keinen Zweifel: Mission geglückt, alle Ziele erreicht. Doch was kommt nun? Was sichert uns Arbeit und Wohlstand für die nächsten 100 Jahre?

Digital-Gesetz muss her

Ganz einfach: Wir brauchen nochmals so einen grossen Wurf, wie er damals Wilhelm und Emil Beck mit dem PGR gelungen ist. Nur muss es dieses Mal um die Digitalisierung gehen. Liechtenstein braucht ein Digital-Gesetz, das Unternehmen Chancen eröffnet und Kapital anzieht. Was so einfach klingt, ist in Wahrheit eine Aufgabe von höchster Komplexität. In der Flut von Chancen und Gefahren der Digitalisierung, eben dieses «digitalen Tsunamis», muss erkannt werden, wo durch ein Gesetz ein Rahmen geschaffen werden kann, aus dem neue Geschäftsmodelle entstehen.

Digitale Landeswährung

Werden wir etwas konkreter. Wie wäre es mit einer per Gesetz eingeführten digitalen Landeswährung? Erstes Ziel: Kaufkraftabwanderung stoppen. Eine digitale Landeswährung hat das Potenzial, erfolgreicher als alle Bonuskarten und Punkteprogramme zu sein. Sogar die Schnapsidee der Wirtschaftskammer (Zitat Landtagsabgeordneter Frank Konrad), einen Teil des Lohns in Einkaufsgutscheinen auszubezahlen, bekäme so eine Renaissance: Ein Teil der Lohnzahlung könnte in der digitalen Landeswährung erfolgen. Zweites Ziel: Finanztransaktionen vereinfachen und vergünstigen, denn durch die digitale Landeswährung würden Gebühren und Kommissionen von Kredit- und Debitkarten der Vergangenheit angehören. Drittes Ziel:  Kompetenzen und Wissen für die zukünftigen Entwicklungen der Krypotwährungen aufbauen. Selbst wenn das Projekt floppen würde, der Erkenntnisgewinn und der Knowhow-Aufbau für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wäre enorm.

Die smartesten Contracts

Ja, ja, Sie haben ja recht: Eine digitale Landeswährung, vermutlich mehr Marketing-Gag als Geschäftsmodell, rettet uns sicher nicht in die digitale Zukunft hinüber. Denken wir also grösser. Interssanter als Kryptowährungen scheinen ohnehin die Smart Contracts zu sein. Sie wissen nicht, was das ist? Sofort googeln. Ziel eines Digital-Gesetzes wäre also: Das weltweit beste Umfeld zur Entwicklung, Initiierung, Umsetzung und den Betrieb von Smart Contracts anzubieten. Die Voraussetzungen sind da: Wir haben hervorragende Rechtsanwälte auf internationalem Niveau. Wir haben eine Universität, die übermorgen einen Crashkurs und weitere Ausbildungen zu Smart Contracts anbieten kann. Und wir haben eine Menge Kapital.

Geschäftsmodell Gesetz

Gegenwärtig verbindet man mit Gesetzen vorwiegend Negatives: Es ist von Regulierungsdruck, hohen Kosten und mühsamen Anpassungen und Übernahmen die Rede. Das liegt auch daran, dass der Gesetzgeber oft verzweifelt versucht, die negativen Auswirkungen der Digitalisierung etwas einzudämmen, zu beobachten beim Netzwerkdurchsetzungsgesetz in Deutschland. In Liechtenstein treibt die Datenschutzgrundverordnung vielen Unternehmen den Schweiss auf die Stirn. Damals, als Wilhelm und Emil Beck ihr geniales PGR-Werk vollbrachten, wurden Gesetze als Chance gesehen, das Land vorwärts zu bringen. Man hatte konkrete Ziele und Geschäftsmodelle vor Augen. Wir brauchen ein Digital-Gesetz, das dem Befreiungsschlag des PGR im Jahr 1926 gleichkommt. Nur so kommen wir in eine Vorwärtsbewegung und hecheln nicht den Entwicklungen der Digitalisierung hinterher. Wir rufen daher auf: Wo sind die nächsten klugen Visionäre à la Emil und Wilhelm Beck, die uns ein Digital-Gesetz kreieren, welches uns auf weitere 100 Jahre Arbeit und Wohlstand sichert? Her mit ihnen!

Daniel Bargetze, Geschäftsführer Vaduzer Medienhaus
WERBUNG

Kommentieren Sie den Artikel

Geben Sie hier bitte Ihren Kommentar ein
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein