Der selbstfahrende Ford brachte die Pizza ohne Fahrer zur CES. Bild: Jae C.Hong/AP
WERBUNG

Auf der Consumer Electonics Show, kurz CES, in Las Vegas zeigten die Autohersteller, was uns in Zukunft erwartet. Der Trend geht in Richtung totale Vernetzung und autonomes Fahren.

von Thomas Geiger

Teleporation und den Ritt mit der Zeitmaschine kann man sich sparen. Wer wissen wollte, wie die Welt morgen tickt, der musste anfangs Januar nach Las Vegas fahren. Denn auf der Consumer Electronics Show zeigte die nun vielleicht wichtigste Industrie der Welt, wohin die Reise geht. Weil sich das Auto zum ultimativen «Mobile Device» auf Rädern entwickelt, hat auch die PS-Branche den Elektronikgipfel für sich entdeckt. Statt mit Heavy Metall und Hubraum haben sich Daimler & Co dort mit Hightech einen modernen Anstrich gegeben und wollen sich die Zukunft des Automobils nicht vom Silicon Valley diktieren lassen. Ihre Themen waren dabei die gleichen wie bei allen anderen Ausstellern. Es ging vor allem um Vernetzung und um eine möglichst einfache Bedienung. Das beste Beispiel dafür lieferte die neue User Experience von Mercedes, die in der nächsten Generation der A-Klasse an den Start geht und dem Smartphone näherkommt als je zuvor. Denn künftig gibt es bei den Deutschen nicht nur den überfälligen Touchscreen mit den schnellsten und besten Grafikprozessoren der Autowelt und die Online-Karten von Here, sondern sie führen mit dem Startkommando «Hey Mercedes» auch eine Sprachsteuerung ein, gegen die Siri, Alexa & Co schüchtern und schweigsam wirken.

Führerlose Prototypen

Der zweite grosse Themenkomplex das autonome Fahren, war in Las Vegas längst keine ferne Vision mehr. Während draussen Dutzende führerlose Prototypen ihre Runden drehten, überboten sich drinnen die Hersteller mit der Sehschärfe ihrer Sensoren und der Rechenleistung ihrer Prozessoren und schwärmten davon, wie sie auch schwierigste Aufgaben autonom meistern – vom autonomen Pizza-Bringer bei Ford bis zur S-Klasse bei Mercedes, die im Rahmen des Intelligent World Drive einmal mit dem Autopiloten um die Welt gefahren ist. Dass derart moderne Autos noch mit Verbrennern fahren, passt so gar nicht ins Bild. Deshalb waren die Autos auf der CES natürlich alle elektrisch – selbst der Supersportwagen Projekt One, den Mercedes mit auf den Stand gerückt hat, kann schliesslich ein paar seiner über 1000 PS auch aus dem Akku ansteuern. Daneben gibt es aber sehr viel greifbarere Modelle wie einen vollelektrischen Niro bei Kia oder die zweite Generation der Brennstoffzelle bei Hyundai, die als Nexo zu einem gefälligen SUV mit knapp 800 Kilometern Reichweite wird. Doch auch dieses Spiel spielen die bekannten Grössen längst nicht mehr alleine, und auf der CES stiessen ein paar weitere Wettbewerber hinzu. Ob aus dem G3 des chinesischen No-Name-Herstellers XPeng je etwas werden wird, das kann man bezweifeln. Schliesslich gibt es für das SUV weder technische Daten noch sonst irgendwelche Informationen.

Nicht nur Fantasien

Doch zumindest Byton (siehe unten) sollte man auf dem Zettel haben. Nicht nur, weil das elektrische SUV der China-Marke schon 2019 in China und 2020 in wichtigen Märkten auf dem Rest der Welt in den Handel kommen soll. Auch weil dahinter keine Fantasten stehen wie bei Faraday Future, sondern ein paar erfahrende BMW-Manager, die dort i3 und i8 durchgeboxt haben und deshalb wissen, wie es gehen sollte. Autonom, vernetzt, immer online, so einfach zu bedienen wie nie und natürlich mindestens mit Akkus, wenn nicht gar mit Brennstoffzelle – mit der Idee, wie wir sie heute noch vom Auto haben, hatten die Exponate auf der CES nicht viel zu tun. Und auch wenn uns die Aussteller weismachen wollen, dass diese Zukunftsvision aus der Glitzermetropole näher ist, als man denkt, macht die PS-Branche jetzt erst einmal den «reality check» – und der Zirkus zieht ein paar Tausend Meilen weiter nach Detroit.

WERBUNG

Kommentieren Sie den Artikel

Geben Sie hier bitte Ihren Kommentar ein
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein