Polizeichef Jules Hoch: .«Wir können über Facebook näheren Kontakt zu den Bürgern pflegen.» Bild: Tatjana Schnalzger
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Seit vergangenem Montag ist die Landespolizei auf «Facebook» aktiv. Ein Schritt welcher obligat scheint und doch Betreuungsaufwand mit sich bringt. Ein Ziel sei es die Polizeiarbeit sowie die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung hervorzuheben.

Was benachbarte Polizeikorps seit einigen Jahren bewirtschaften, ist seit vergangener Woche auch bei der Landespolizei eingeführt worden. Zusätzlich zur Homepage und der Landespolizei-App hat sie den Weg in die Welt der sozialen Medien eingeschlagen. «Wir wollten erst die Erfahrungen anderer Korps abwarten, bevor wir den Schritt in die sozialen Medien machen. Denn vor allem der Betreuungsaufwand eines Facebook-Profils hat uns etwas abgeschreckt», erklärt Polizeichef Jules Hoch. Die direkte Kommunikation mit der Bevölkerung, fordere seitens der Landespolizei auch eine erhöhte Medienpräsenz und Kontaktpflege. «Beides muss mit den bestehenden Ressourcen in der Stabsstelle Medien und Öffentlichkeit bewältigt werden, denn zusätzliche Stellenprozente gibt es natürlich keine», so Hoch.

Kontakt mit Bürgern über Social Media pflegen

Im vergangenen Jahr traf sich die Landespolizei mit befreundeten Korps um Erfahrungen rund um Facebook-Auftritten zu besprechen. «Diese Erhebung ist positiv ausgefallen, weshalb wir Ende Jahr beschlossen haben, den Schritt in die sozialen Medien zu wagen» so Hoch. Das Gesetz besagt, dass die Landespolizei eine aktive Öffentlichkeitsarbeit zur Bewusstseinsbildung der Bürger in Bezug auf die Sicherheit im Land, die Arbeit der Landespolizei und die Bedeutung der Zusammenarbeit von Polizei und Bevölkerung (Bürgernähe) zu betreiben hat. «Die Landespolizei kommt diesem Auftrag mittels Pressemeldungen, Informationen auf unserer Website und der App nach. Facebook bietet uns die spezielle Möglichkeit, nicht nur direkt mit den Menschen zu kommunizieren, sondern uns mit ihnen auszutauschen, das heisst, unmittelbare Rückmeldungen, Meinungen und Einschätzungen zu erhalten», erklärt der Polizeichef. Darüber hinaus könnten so Informationen und unterhaltsame Geschichten verbreitet werden, welche keine eigentlichen Nachrichtenwert für klassische Medien haben, aber dennoch einen Einblick in die Polizeiarbeit geben. «Wir können über Facebook näheren Kontakt zu den Bürgern pflegen, unsere Leistungen und Tätigkeiten unterhalb eines <Newswertes> präsentieren und die Landespolizei als das zeigen was sie ist: Eine Polizei, die sich mit und für die Menschen in unserem Land für ein sicheres Liechtenstein einsetzt», sagt Hoch. Radarmeldungen, wie von Polizeikorps teilweise in der Schweiz veröffentlicht werden, sind auf der Landespolizei Facebook-Seite keine geplant. «Die Informationen zu den semistationären Radaranlagen werden weiterhin über die Landespolizei-App publiziert.»

Digitalisierung bestimmt den Alltag

Statistiken zeigen: Über 80 Prozent der Bevölkerung nutzt täglich das Internet. Diese Zahl geht auch an der Polizei nicht spurlos vorbei. Beim letztjährigen Schweizer Polizei Informatik Kongress (SPIK) referierte Thomas Baumann, der stellvertretende Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums München zum Thema: Der Münchner Amoklauf und die damit einhergehende Krisenkommunikation vor dem Hintergrund der operativen Einsatzbewältigung. Infolge des Amoklaufs gingen 4761 Anrufe bei den Einsatzzentralen ein. Über die sozialen Medien waren es 72000 Meldungen. Das Fazit der erfolgreichen Bewältigung eines traurigen Ereignisses: «Krisenkommunikation über Radio und Fernsehen allein funktioniert nicht mehr. Um keine Zeit zu verlieren, müssen Bürger dort erreicht werden, wo sie sind, nämlich auf ihren Smartphones», so Baumann. Und die Polizei müsse es schaffen, alle Ängste und Sorgen ernst zu nehmen. Die Digitalisierung bestimme natürlich heute auch den Alltag bei der Landespolizei, so Jules Hoch: «Jeder Polizist ist beispielsweise mit einem Smartphone ausgerüstet und nutzt verschiedene spezifische Polizei-Apps für den Informationsaustausch oder die Alarmierung.» Allerdings müsse er eingestehen, dass die Landespolizei nicht führend in der Digitalisierung des Polizeialltags ist. Grosse Korps in der Schweiz seien da einige Schritte weiter. «Wir warten oft Entwicklungen ab und entscheiden dann aufgrund der dort gemachten Erfahrungen, was bei der Landespolizei sinnvollerweise umgesetzt wird.» Anderseits seien Mitarbeitenden in ihrem Berufsalltag auch permanent mit den Folgen der Digitalisierung konfrontiert. «Jeder Verdächtige verfügt über ein Smartphone, Daten und Beweismittel sind digital oder sind in Clouds abgelegt und kaum noch analog verfügbar. Das Funktionieren der digitalen Welt muss verstanden werden, um überhaupt noch erfolgreiche Polizeiarbeit leisten zu können.» Fragen wie: Wo hinterlassen wir unsere digitalen Spuren? Wie kann ich auf diese Spuren technisch und rechtlich zugreifen? IT-Forensiker und IT-Ermittlungswissen seien heute in einem Polizeikorps unerlässlich. «Aus diesem Grund wird die Digitalisierung schon in der Grundausbildung thematisiert und auf schweizerische Ebene an einem Ausbildungsmodul Cybercrime gearbeitet. Dieses soll sicherstellen, dass jeder Polizist ein Mindestmass an Wissen über das Funktionieren der digitalen Welt und die Nutzung moderner Informations- und Telekommunikationstechnologie hat», erklärt Hoch. Die Landespolizei könne hierbei bei Kursen partizipieren und entsprechende Angebote nutzen.

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