Florian Batliner
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Bitcoins und Blockchains sind in aller Munde. Auch Liechtenstein mischt in diesem Markt kräftig mit. Florian Batliner hat ebenfalls grosse Pläne.

Alle reden von Bitcoins und Kryptowährungen. Warum ist das so interessant für den Markt?
Florian Batliner:
 Voraussichtlich wird das Ganze die Wirtschaftswelt revolutionieren. Wer vor einigen Jahren gross in Bitcoins investiert hat, ist heute ziemlich reich. Aktuell ist ein Bitcoin über 10 000 Euro wert. Er ist mehr ein Rohstoff, der gehandelt wird, als eine Währung. Viel interessanter als der Bitcoin selbst ist die Technologie, die dahintersteckt. Die Blockchain, so nennt sich das dezentrale Buchungssystem, kommt ohne Finanzintermediäre – also Banken und ähnliche Institutionen – aus. Die Transaktionen laufen schnell, weitestgehend anonym und kostenlos ab. Das ist die Zukunft.

Heute kontrollieren Banken und Zentralbanken die Geldflüsse und organisieren die Transaktionen. Was ist in der Blockchain anders? 
Hier ist es das ganze System, das für Glaubwürdigkeit sorgt. Transaktionen sind weltweit auf tausenden Rechnern gespeichert und nachvollziehbar. Daher korrigiert sich dieses System selbst, wenn jemand versucht, daran herumzuhantieren. Manipulationen sind unmöglich.

Bitcoin war die erste virtuelle Währung und ist während der Finanzkrise entstanden. Ein Zufall? 
Ich denke nicht, dass das ein Zufall war. Das Geld, mit dem wir heute bezahlen, wird ja auch aus dem Nichts geschaffen und ist ein Konstrukt. Beide Systeme leben davon, dass viele Menschen daran glauben. Der Strategieberater Sascha Lobo formulierte es so: «Bitcoin ist nur deshalb so viel wert, weil so viele Menschen daran glauben, dass Bitcoin so viel wert ist. Die Krypto-währung ist nichts anderes als das jüngste, digitale Gesicht des Kapitalismus.» Es ist eben alles Vereinbarungssache.

Sie sprachen die hohe Sicherheit an. Dennoch hört man von Diebstählen und hohen Verlusten, beispielsweise durch Hardware-Vernichtung. Wie ist das zu erklären? 
Wie beim echten Geld können Menschen bestohlen werden – beispielsweise von Hackern. Deshalb muss man auch beim Umgang mit Kryptowährungen unbedingt auf die Sicherheit achten. Wenn das Kryptogeld auf einem USB-Stick gespeichert wurde und dieser zerstört wird, ist das Geld unwiederbringlich verloren – sofern man das Passwort vergessen hat. Klar birgt das Ganze Risiken und oft ängstigt es die Menschen, wenn sie sich mit etwas Neuem auseinandersetzen und das Potenzial dahinter sehen. Aber die Chancen dieser Entwicklungen sind ungeheuer hoch.

Aber wer Bitcoins heute zum Zahlen verwendet, wird schräg angeschaut. Wird sich das als Zahlungsmittel durchsetzen? 
Es gibt heute über 1000 Krypto-währungen. Bitcoin ist eine von vielen. Und solange die Nachfrage steigt, steigt auch der Wert. Der Markt ist aber sehr volatil und man kann jederzeit überrascht werden. Das System lebt von einer daraus entstandenen Zocker-Mentalität. Durch Bitcoins sind viele sehr schnell reich geworden. Viele wollen diese Bitcoins aber nicht in Geld wechseln, weil darauf dann Steuern oder Abgaben fällig wären. Deshalb behalten sie ihre Kryptowährung und bewegen sich damit im virtuellen Raum. Es ist ein ganz normales, marktpsychologisches Phänomen. Ich glaube daran, dass Kryptowährungen sich künftig durchsetzen werden – allerdings dürfte es noch ein paar Jahre dauern.

Man weiss aber nicht, wohin das Ganze führt. Einige prophezeien den baldigen Zusammenbruch des Systems, andere denken, das ist für die Ewigkeit geschaffen. 
Richtig! Niemand weiss, wohin das führen wird. Auch ich wage keinen Blick in die Kristallkugel. Aber unabhängig vom Bitcoin ist das Potenzial der darunterliegenden Blockchain-Technologie enorm. Mit sogenannten «Smart Contracts» kann man mittlerweile mittels der Blockchain Verträge abschliessen. Damit ist man beispielsweise nicht mehr auf Anwälte oder Notare angewiesen. Künftig könnte man beispielsweise auch Grundbuchdaten in die Blockchain geben und Grundstücksverkäufe dort speichern – fälschungssicher. Die Möglichkeiten der Blockchains sind derart vielfältig. Und darum haben wir uns
entschieden, unser Unternehmen «Chainium» darauf auszurichten. Aktuell machen wir gerade einen ICO.

Worum geht es dabei? 
Was im Land vielleicht etwas unbemerkt bleibt: Liechtenstein spielt weltweit eine grosse Rolle beim Thema ICO, dem Initial Coin Offering oder Token Sale.

Was ist das? 
Ein ICO oder Token Sale ist eine neuartige Methode des Crowdfunding, die gerade von Firmen verwendet wird, deren Geschäftsmodell auf Kryptowährungen basiert – so wie unseres. Hier suchen Teams oder Firmen für ihre Projekte Investoren. Sie stellen sich und ihre Businessidee auf den verschiedensten Plattformen vor und sammeln Unterstützung in Form von Kryptowährungen. Wenn sie ein gewisses Startkapital beisammenhaben, geht das Unternehmen an den Start.  Der ICO-Markt ist in diesem Jahr exponentiell gewachsen, einige Unternehmen haben so umgerechnet über 200 Millionen Dollar eingenommen. Unvorstellbar, wenn man bedenkt, dass einige Firmen gerade mal in einem 10-seitigen Dokument ihre Vision beschrieben haben. Daran kann man erkennen, dass dem Thema Blockchain insgesamt sehr viel Potenzial zugetraut wird.

Zurück zu Ihrem Unternehmen: Wie revolutionieren Sie den Markt? 
Unser Unternehmen will das Thema der Kreditvergabe radikal vereinfachen. Private Unternehmen, die 99 Prozent unserer Wirtschaft ausmachen, sind bei Krediten im Wesentlichen von Freunden, Familie oder ihrer Hausbank abhängig. Börsen-kotierte Unternehmen zahlen für die Ausgabe von Aktien rund 7 Prozent Gebühren, weil viele Intermediäre wie Berater, Banken, Registerführer etc. dazwischen sind und mitverdienen. Dank der Blockchain-Technologie wollen wir es Investoren ermöglichen, einfach und schnell Unternehmensanteile von Unternehmen zu kaufen, an die sie glauben – per App. Handumkehrt wollen wir es Unternehmen ermöglichen, Kapital bei Investoren potenziell weltweit einzusammeln – für einen Bruchteil der Kosten – unabhängig von Banken und anderen Finanzintermediären, sondern basierend eben auf einer Blockchain, die eine direkte Verbindung zwischen Investoren und Unternehmen herstellt. So wollen wir das Investieren und die Kapitalbeschaffung erleichtern. Es ist unser Anspruch, dass wir die ineffizienten Strukturen umgehen und diesen Markt auf den Kopf stellen.

Wie lange sind Sie bereits mit diesem Projekt beschäftigt? 
Zwei Geschäftspartner und ich haben im Sommer unsere Arbeit aufgenommen. Aktuell entwickeln wird den Produkt-Prototyp und sind mit unserem eigenen ICO sehr beschäftigt. Am kommenden Donnerstag, 14. Dezember, 17 Uhr, werde ich beim 10. Blockchain-Meetup im Technopark Vaduz unser Projekt näher vorstellen. Alle Interessierten sind herzlich willkommen.

Versteht man da als Laie überhaupt etwas? 
Im ersten Vortrag der Firma Chainsecurity geht es um Sicherheitsaspekte in der Blockchain. Ich weiss nicht, wie technisch es bei diesem Thema wird. Mein Referat habe ich aber so aufgebaut, dass es leicht verständlich ist – hoffe ich zumindest. Interessierten kann ich nur raten, ins Internet zu gehen und sich schlau zu machen. Es gibt auf Youtube unzählige Erklärvideos, die einen schnell einen Über- und Durchblick verschaffen. Da lernt man sehr viel – und Wissen kann bei neuen Technologien so oder so nicht schaden. (mw)

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