Video-Still aus dem Video «Slaughterbots»
WERBUNG

Ich bin Technologie-Optimist. In den sprichwörtlichen Diskussionen über «Chancen und Risiken» finde ich mich fast immer auf der Chancen-Seite, und bin meist der Meinung, dass die Gegner übertreiben, und dass die Digitalisierung uns grossartige Dinge bescheren wird.

Das heisst allerdings keineswegs, dass nichts schief gehen könnte. Und insbesondere eines der Risiken könnte durchaus schlimme Ausmasse annehmen.

Ein aktuelles Video namens «Slaughterbots», deutsch etwa: «Killer-Roboter», zeigt eine fiktive, aber erschreckend realistische Zukunft. In einer Produktpräsentation, die an Apple-Shows und TED-Talks erinnert, bejubeln die Zuschauer Mini-Drohnen, die mit Hilfe von Komponenten, die in modernen Smartphones alle schon verfügbar sind – wie Kameras, GPS, GSM und die durch das iPhone X topaktuelle Gesichtserkennung – «klinisch genau» die Zielperson töten. Schon bei der Demo mit einer Puppe hält man die Luft an, auch wegen des zynischen Kommentars: «That little bang is enough to penetrate the skull and destroy the contents». Mit dem «Inhalt» ist das Gehirn gemeint.

Es wird noch schlimmer, zwischen die Präsentation geschnitten sind TV-Nachrichten, welche gezielten Attentate möglich würden: auf eine Handvoll Terroristen («Trust me, these were all bad guys» – man fragt sich unwillkürlich, aus wessen Sicht), im US-Senat nur auf Mitglieder einer Partei, oder auf eine Gruppe von Studierenden, die sich auf Social Media gegen diese Waffen ausgesprochen haben und nun trotz vergitterter Fenster im Hörsaal zielgenau hingerichtet werden.

Man weiss gar nicht, welche Szene man am schlimmsten finden soll. Dass man für nur 25 Millionen Dollar (klingt nach viel Geld, ist aber wohl in Waffendimensionen wenig, ich nehme an, jede terroristische Vereinigung und jeder Geheimdienst kann den Betrag auftreiben) eine halbe Stadt gezielt auslöschen kann: «Enough to kill half a City. The bad half.»?

Oder diese absurde Liste, dass man Leute auch basierend auf ihrem Fitness-Level «targeten» lassen kann?

Am bedrückendsten finde ich die Bilder, wie sich die Menschen gegen die Drohnen hinter gigantischen Fliegengittern verbarrikadiert haben, die ultimativ doch nutzlos sind. Es dämmert einem: Als wir Robocop und Terminator geschaut haben, haben wir das alles für völlig unrealistisch gehalten oder zumindest weit in der Zukunft gesehen (wobei es in Anbetracht der periodisch aufpoppenden Videos der Boston Dynamics-Roboter, die inzwischen immerhin schon einen Salto aus dem Stand können, auch nicht sein muss). Diese Bedrohung durch autonome Drohnen scheint im Vergleich viel realistischer.

Das Video endet mit einem der Absender, Stuart Russell (coole Website von ca. 1997), Professor für Künstliche Intelligenz in Berkeley, der mahnt, dass wir derzeit noch die Chance haben, die Entwicklung solcher autonomer Waffen zu verbieten.

Ich war in meinem Leben noch nie Aktivist, aber hier könnte ich einer werden, denn hier muss in der Tat die Gesellschaft handeln.

Hier geht es zur Website: autonomousweapons.org. Und hier ist das Video direkt:

An dieser Stelle ein konkreter Aufruf: Mag jemand helfen, das YouTube-Video auf Deutsch zu untertiteln? Ich glaube, das könnte ihm im deutschsprachigen Raum noch etwas bei der Verbreitung helfen.

(PS. für Besucher der WIR-Bank-Roadshow von neulich: Weil Volker Strohm bei jeder Anmoderation von Alain Veuve dessen Artikel Nein, die Killer-Roboter werden Sie nicht abschlachten erwähnt hat, habe ich diesen natürlich auch nochmal gelesen. Wie schon oben angedeutet denke ich, dass wir über zwei verschiedene Zeitebenen reden: Das in den Terminator-Filmen thematisierte «Skynet», bei dem die Maschinen ein eigenes Bewusstsein entwickeln und darauf basierend den Menschen den Krieg erklären, scheint wirklich noch recht weit entfernt und vielleicht sogar komplett unrealistisch. Aber autonom tötende, kleine Waffen, die nicht von einer Meta-Maschine, sondern von Terroristen oder Diktatoren eingesetzt werden, aber nicht minder verheerend sind, eben nicht so sehr.)

 

Peter Hogenkamp ist CEO der (Link auf thescope.com) Scope Content AG in Zürich.

WERBUNG

Kommentieren Sie den Artikel

Geben Sie hier bitte Ihren Kommentar ein
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein