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Die Digitalisierung ist dabei, die Arbeitswelt grundlegend zu verändern. Lothar Ritter sieht Unternehmen, Bildungsinstitute und Arbeitnehmer in der Pflicht, den Wandel aktiv zu gestalten. Mit Blick auf die regionale Wirtschaft ist der Rektor der Interstaatlichen Hochschule für Technik Buchs NTB zuversichtlich.

 

Interview Stefan Lenherr, Lenherr Kommunikation

Herr Ritter, was raten Sie Arbeitnehmern, die sich angesichts der Digitalisierung davor fürchten, den Anschluss zu verlieren?
Aktuell wird noch viel von der Digitalisierung gesprochen. Ich denke, es ist erst einmal wichtig sich bewusst zu machen, dass die Digitalisierung und die Folgen davon bereits morgen Standard sein werden. Das heisst, man kann sich nicht entscheiden ob, sondern nur wann man sich in welchem Ausmass damit beschäftigen will. Früher oder später betrifft die Digitalisierung jeden Einzelnen. Natürlich muss deshalb nicht jeder lernen, wie man programmiert. Aber man muss schon die Grundlagen und die Möglichkeiten, welche die digitale Welt bietet, verstehen. Die Zeiten, in denen man einen Beruf erlernen und ihn dann bis zur Pensionierung ausüben kann, sind längst vorbei. Wir werden uns alle ständig anpassen und unsere Beschäftigungsfähigkeit in Eigenverantwortung ein Berufsleben lang erhalten müssen. Die Bereitschaft, aus eigener Initiative immer wieder Neues dazuzulernen, ist dabei erfolgsentscheidend.

Inwiefern müssen die Bildungsinstitute der Region ihre Angebote Ihrer Meinung nach anpassen, um die Menschen für den Arbeitswelt 4.0 zu rüsten?
Grundsätzlich muss es darum gehen, bestehende Ausbildungen mit Informatikwissen und digitaler Selbstkompetenz anzureichern. Es reicht nicht, ein Smartphone, ein Tablet und einen Laptop zu besitzen, es geht vor allem darum, im Lebensalltag reflektiert mit diesen Werkzeugen umzugehen. Es braucht nicht zwingend revolutionäre Veränderungen, dafür eine Gewichtsverlagerung bei den Lerninhalten und Kompetenzen. Ich bin ausserdem davon überzeugt, dass wir weiterhin sowohl den gymnasialen wie auch den dualen Weg gleichwertig behandeln müssen. Und es ist mir ein grosses Anliegen, dass jeder die Möglichkeit hat, sich weiterzubilden: Ob als Quereinsteiger, als Absolvent der dualen Berufsbildung oder Maturand.

Diverse Studien sagen voraus, dass es viele Berufe in zehn Jahren nicht mehr geben wird. Teilen Sie diese Einschätzung? 
Wenn stur an den heutigen Berufsbildern festgehalten würde, könnte es tatsächlich sein, dass diese Berufe aufgrund der Digitalisierung verschwinden werden. Ich glaube aber vielmehr daran, dass sich die Berufsbilder wandeln und damit auch weiterhin ihre Berechtigung haben werden. Dafür müssen sich jedoch das Bildungssystem und die Unternehmen bewegen, damit die Fachkräfte für die Zukunft gerüstet sind.

Welche Rolle kann das duale Bildungssystem bei dieser Entwicklung einnehmen?
Sicher eine wichtige. In der Verbundpartnerschaft zwischen Lehrbetrieb und Berufsschule ist es immer die Wirtschaft, die sagt, was ausgebildet wird. Das erzeugt einen natürlichen Druck zur Anpassung. Die Wirtschaft reguliert mit dem Anbieten der Lehrplätze. Die Unternehmen werden diejenigen Berufslehren anbieten, die sie weiterbringen. Das ist für mich eine der grossen Stärken des dualen Bildungssystems.

Welche Rolle kann die Hochschule NTB dabei spielen, die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft in Zukunft zu erhalten? Zum einen ist wichtig, dass unsere Studenten lernen, was technisch machbar ist. Das allein genügt aber nicht. Sie müssen auch verstehen, was die Welt da draussen mit den technischen Möglichkeiten konkret anfangen kann. Wir versuchen deshalb, Antworten auf diese Fragen zu finden und damit eine gewisse Vorarbeit zu leisten. Ich bin davon überzeugt, dass es in Zukunft stark darum gehen wird, einander gut zuzuhören und die Köpfe zusammenzustecken. Der Ingenieur muss Enabler für den Unternehmer sein – und umgekehrt.

Was glauben Sie, wie wird der regionale Arbeitsmarkt in zehn Jahren aussehen? Ich bin überzeugt, dass gewisse Produktionsaktivitäten im Rheintal bleiben oder sogar wieder aus dem Ausland zurückkommen. Natürlich werden dies keine billigen Massenprodukte sein, dafür Produkte mit viel höherem Komplexitätsgrad im Sinne von Systemen. Produkte also, in denen ein grosses Know-how im Beherrschen des Systems steckt. Das spürt man auch, wenn man bei einigen Unternehmen beobachtet, wie sich die Arbeitsplätze Richtung höherwertigere Stellenprofile mit mehr Komplexitätsanforderungen und höherer Wertschöpfung verändern. Der Durchschnitt der Arbeitsplätze wird kopflastiger sein.

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Interview mit Lothar Ritter, Rektor der Interstaatlichen Hochschule für Technik Buchs NTB
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