«Wir möchten zeigen, dass es um ernste Geschäfte geht»

Klaus Stark, Thomas Nägele und Tobias Fitz träumen vom Crypto-Country. (Daniel Schwendener)
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Potenzial Klaus Stark, Thomas Nägele und Tobias Fitz träumen vom Crypto-Country. Sie wollen Kryptowährungen wie Bitcoin in Liechtenstein salonfähig machen und sehen in Blockchain grosse Chancen als Wachstumstreiber für den Finanzplatz. Angst vor Missbrauch haben sie dabei nicht.

Sie haben gerade die Crypto Country Association gegründet. Was ist Ihre Motivation, das Crypto-Country Liechtenstein zu verwirklichen?

Thomas Nägele: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Finanzdienstleister über neue Geschäftsmöglichkeiten, die sich aus Kryptowährungen und aus der Blockchain-Technologie ergeben, zu informieren. Wir versuchen Leute zu motivieren und Know-how aufzubauen. Wir unterstützen aber auch bei einfachen Fragen, wie «muss ich meine Bitcoin in der Steuererklärung angeben» oder «wie kann ich meine Bitcoin sicher verwahren».

Tobias Fitz: Wir sind überzeugt, dass Liechtenstein sehr grosses Potenzial hat, neues Geschäft aus dieser Branche anzuziehen.

Klaus Stark: Es gibt immer noch das Vorurteil, Bitcoin sei generell etwas Kriminelles. Wir wollen in der Bevölkerung auch das Bewusstsein dafür schärfen, dass es nicht immer so ist. Gerade die Technologie dahinter – die Blockchain – ist ein sehr schönes Instrument, das Zukunft hat und grosse Chancen, insbesondere auch für Liechtenstein, bietet.

Es gibt eine Reihe offener juristischer und regulatorischer Fragen. Wissen Sie, wie Sie damit umgehen werden?

Thomas Nägele : Rechtlich haben virtuelle Währungen dieses Jahr Eingang ins Sorgfaltspflichtgesetz gefunden und wurden damit zum ersten Mal von unserer Rechtsordnung erfasst. Mittelfris tig braucht es unseres Erachtens mehr Regulierung. Start-ups wollen und brauchen Rechtssicherheit. Das Vertrauen erreichen die Blockchain basierten Anwendungen dabei durch den Einsatz von Technik statt dem Dazwischenschalten von Intermediären. Jeder kann dabei die Transaktionen nachvollziehen. Ich persönlich akzeptiere Kryptowährungen als Zahlungsmittel, das funktioniert gut.

Haben Sie auch Vertrauen in Crypto Finance? Also, wenn echte Unternehmen mittels Crypto Währungen finanziert werden? Haben Sie keine Bedenken, das könnte sich als Büchse der Pandora herausstellen?

Tobias Fitz: Ich glaube, es ist wie mit jedem anderen Unternehmen auch, das sich erst einmal beweisen muss. Auf der einen Seite gibt es sicher einige, die zwar viel Geld eingesammelt haben, aber dennoch nicht erfolgreich sein werden. Das passiert aber auch bei Start-ups, die sich über den herkömmlichen Weg finanzieren und ist ganz normal im Unternehmertum. Initial Coin Offering (ICO) ist eine unregulierte Methode des Crowdfunding, die von Firmen verwendet wird, deren Geschäftsmodell auf Kryptowährungen basiert. Das bietet Unternehmen auch mehr Freiheiten, sich zu finanzieren. Sie sind nicht mehr länger auf Investoren angewiesen, die sich nach einer Beteiligung oft zu stark in die Ausrichtung des Unternehmens einmischen. Für den Durchschnittsbürger ist es zudem eine gute und einfache Möglichkeit, um sich an zukunftsträchtigen Unternehmen zu beteiligen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er mitmachen will oder nicht. Wichtig ist, dass man sich aber zuerst genau informiert und nicht «kopflos» investiert. Wir wollen jedenfalls sicherstellen, dass keine Unternehmen mit unlauteren Methoden bei uns aktiv werden.

Klaus Stark: Wir sind uns bewusst, dass es für diese Vorreiterrolle Mut braucht. Wir in Liechtenstein sind einer der ersten Finanzplätze, die – nach dem Crypto Valley im Kanton Zug – auf diese Möglichkeiten aufmerksam geworden sind. Anfangs beinhaltet das vielleicht etwas mehr Risiko. Es ist daher eine der Zielsetzungen unseres Vereines, den Umgang mit Crypto sicherer, regulierter und öffentlicher zu machen.

Thomas Nägele: Es gibt sicher einen Teil an Projekten, die nicht «sauber» sind. Es sind jedoch unter den Projekten einige dabei, in denen echtes, geballtes Knowhow steckt, das zu wertvoll ist, um es an andere zu verlieren. Eine pauschalisierte Vorverurteilung aller Projekte schreckt somit gute Unternehmerteams mit einer tollen Idee davon ab, die einzigartigen Möglichkeiten zu nutzen, die Liechtenstein bietet.

Sie denken also, Geschäfte rund um Kryptowährungen sind ein grösserer Wachstumstreiber, als dass sie dem Finanzplatz schaden könnten?

Tobias Fitz: Ja, das denke ich. Das Volumen liegt bei 170 Milliarden Dollar. Der gesamte Kryptomarkt ist im Verhältnis zu den Volumina der Wallstreet und dem normalen Finanzmarkt eigentlich noch gering. Ich denke dennoch, dass der Markt eine grosse Zukunft hat. Einerseits werden immer mehr institutionelle Anleger auf Kryptowährungen und -unternehmen aufmerksam und kreieren neue Produkte. Andererseits ist die Technologie, auf denen die Kyptowährungen basieren, revolutionär. Denn dadurch können nicht nur die Transaktionen schneller und günstiger durchgeführt werden, sondern auch die Transparenz und Anonymität erhört werden. Die Frage ist, ob man bereit ist, innovativ zu sein und sich neuen Technologien zu öffnen. Es ist eine realistische Möglichkeit, dass Liechtenstein dadurch neues Geschäft und Geschäftsfelder anziehen kann.

Was machen Sie konkret? Helfen Sie Firmen mit solchen Geschäftsmodellen, sich in Liechtenstein anzusiedeln?

Thomas Nägele : Eigentlich muss man den Finanzintermediären in Liechtenstein nur sagen, dass sie einen Teil jener Dienstleistungen anbieten, für die es im Bereich Kryptowährungen einen Bedarf gibt. Unser Ziel ist es: Sollte jemand eine Anfrage bekommen von jeman dem, der die nächste Kryptowährung schreiben will, dann sollen die Türen in Liechtenstein offen sein. Es braucht im Land noch sehr viel Aufbauarbeit, denn das nötige Wissen, die entsprechende Ausbildung der Akteure fehlt noch.

Tobias Fitz: Es geht uns darum, dass Liechtensteiner ein Gefühl für Kryptogeld entwickeln und vielleicht einfach mal in den Hoi-Laden in Vaduz gehen, ein paar Bitcoins wechseln und damit etwas anfangen können.

Braucht es dafür eine Vereinigung bzw. wächst die Gesellschaft nicht einfach in Digitales hinein?

Tobias Fitz: Ich denke, es braucht eine Vereinigung, weil zwei Welten aufeinandertreffen: Die traditionelle Finanzwelt und das FinTech/Blockchain-Universum. Es braucht einen Vermittler zwi schen den beiden Welten, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Zum Beispiel um zu zeigen, dass Banken von der Entwicklung profitieren werden und ihnen die Angst genommen wird, in ein paar Jahren ausgedient zu haben.

Thomas Nägele: Wir möchten zeigen, dass es um ernste Geschäfte geht und Kryptowährungen aus der Nische holen. Dafür braucht es jemanden, der sich organisiert. Wir wollen, dass Leute in Liechtenstein aufwachen und die grosse Chance erkennen. Es ist auch gut, dass es zum Standort Zug Alternativen gibt.

Herr Stark, Sie haben unlängst gesagt, Sie wollen dem Kanton Zug das Wasser abgraben, der aktiv Start-ups anlockt, die an mit der Blockchain verbundenen Technologien forschen.

Klaus Stark: Wir haben mittlerweile einen sehr guten Kontakt zur Crypto-Valley-Association in Zug. Ich denke, dass eine Zusammenarbeit am meisten bringt, um von den Fehlern zu lernen, die sie machen und umgekehrt. Gemeinsam können wir den Wildwuchs an neuen Projekten etwas beruhigen. Wir haben zwar keine Überwachungsfunktion, aber wir können als Anlaufstelle die Qualität erhöhen und Missbrauch verhindern. Wir haben fast jeden Tag Anfragen und auch die FMA hat enorm viele Anfragen von Firmengründern.

Blockchain – die Technologie, welche die Zahlungen mit der digitalen Währung Bitcoin erst ermöglicht – gilt als die grosse Entdeckung der Zukunft. Was macht sie so bahnbrechend?

Tobias Fitz: Das Bahnbrechende ist die Dezentralisierung. Alle Transaktionen werden auf verschiedenen Rechnern eines dezentralen Netzwerks abgelegt. Es ist nicht möglich Bitcoin zu hacken, weil Daten auf tausenden von Computern abgelegt sind. Die Blockchain-Technologie macht die Währung absolut sicher. Hinzu kommt die Anonymität. Die Transaktionskosten verringern sich zudem, weil es keine Mittelsmänner braucht und diese liegen derzeit bei ca. 1.95 Franken pro Transaktion.

Klaus Stark: Vereinfacht gesagt, ist die Blockchain wie ein digitales Notariat. So gut wie einem Notar kann man nun einem Computer vertrauen, der mit der entsprechenden Blockchain verbunden ist.

Thomas Nägele: Es gibt auch nicht «die eine» Blockchain oder eine einzige Kryptowährung. Es wird auch einen Bedarf von kleinen Zahlungen geben, die schneller und günstiger sein müssen. In diesem ganzen Bereich entwickeln sich neue Geschäftsfelder – sei es von Hardware-Entwicklung, sei es für Service-Provider oder klassische Programmierer. Bereits jetzt gibt es Start-ups, die in Liechtenstein angesiedelt sind und gut ausgebildete lokale Arbeitskräfte suchen. Es gibt hunderte Anwendungsmöglichkeiten.

Wie viele Start-ups sind im Bereich Blockchain und Fin-Tech in Liechtenstein bereits tätig?

Klaus Stark: Genau können wir dies nicht sagen. Wir und die FMA haben aber fast stündlich neue Anfragen. Der Kanton Zug ist derzeit völlig überlastet mit neuen Anfragen. Sie sind mit ihren Kapazitäten am Anschlag. Davon können wir profitieren, zumal bei uns die Vorgänge schneller sind, so zum Beispiel bei Erteilung einer Bewilligung.

Thomas Nägele: Die Start-ups suchen international nach den «besten» Jurisdiktionen. Dabei suchen sie insbesonders Rechtssicherheit und tendenziell mehr Regulierung.

Wie kann man verhindern, dass die Firmen weiterziehen, wenn ihnen die Regulierung dann doch zu viel wird?

Thomas Nägele: Eigentlich wollen viele wie gesagt Rechtssicherheit. Wir können nicht sagen, wie die Regulierungslandschaft in einem halben Jahr aussieht. Es kann gut sein, dass von der EU zum Beispiel eine Regulierung kommt und es heisst, diese Geschäfte sind sofort zu stoppen oder rückabzuwickeln, wie es bspw. in China passiert ist. Es ist nach wie vor ein Graubereich und es gibt keine absolute Rechtssicherheit. (dal)

 

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