Die Post startet zusammen mit Jelmoli einen Pilotversuch für die Lieferung mit Zustellrobotern. (Keystone)
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Lieferroboter mischen sich derzeit unter Passanten in Zürich. Sie liefern Einkäufe von Online-Shoppern zu deren Wohnungen. In der Region werden sie in absehbarer Zeit nicht zum Einsatz kommen. Es gibt jedoch Optionen.

Die Post führt erneut einen Test mit Lieferrobotern durch. Diese bringen in den nächsten Wochen online bestellte Waren vom Warenhaus Jelmoli zu Kunden im Stadtzentrum von Zürich.

So sei es beispielsweise möglich, sich ein Picknick auf eine Parkbank am See oder das neue Hemd direkt ins Büro liefern zu lassen, teilten die Schweizerische Post und Jelmoli am Dienstag vor den Medien in Zürich mit. Kurz vor Ankunft des Roboters erhalte der Kunde eine SMS, mit der sich das Transportfach öffnen lasse.

Der Lieferradius ist auf 5 bis 6 Kilometer um das Warenhaus Jelmoli beschränkt. Eine so lange Fahrt dürfte etwa zwei Stunden dauern. So lange hält der Akku. Die Höchstgeschwindigkeit sei 6 km pro Stunde, sagte Post-Entwicklungschefin Claudia Pletscher. Die effektive Durchschnittsgeschwindigkeit im Einsatz dürfte etwa halb so hoch liegen.

Ort auf Google Maps eingeben

Seit letztem Montag können Kunden sechs Wochen lang ihre Waren aus dem Jelmoli-Onlineshop per Lieferroboter zu sich bringen lassen. Dazu müssen sie am Ende der Bestellung auf Google Maps ihren Zustellort mit der schwarzen Nadel setzen. Dann erhält das Wägelchen die Koordinaten und fährt los. Für die Orientierung sind 9 Kameras, 8 Ultraschallsensoren zur Erkennung von Hindernissen vorne und Radar eingebaut. Zusätzlich hat der Roboter eine GPS-Ortung. Sollte er einmal eine Verkehrssituation nicht beurteilen können, kann er Unterstützung von einem Tele-Operateur anfordern, der am Bildschirm sitzt und Unterstützung geben kann.

Während der Testphase bekommt der Roboter bei jeder Lieferung eine Begleitperson, die im Notfall auch noch eingreifen kann. Unterwegs ist der Lieferroboter auf Gehsteigen und in Fussgängerzonen. Strassenüberquerungen seien die grösste Herausforderung, sagte Pletscher bei einer Testfahrt vom Jelmoli zur Bar El Lokal. Die Kameras würden erkennen, ob eine Ampel rot oder grün sei. Der Roboter sei defensiv eingestellt und lerne selber hinzu. Passanten lasse er den Vortritt, sagte Pletscher. Bei der Testfahrt zeigte sich, dass die Einstellung fast zu defensiv ist: Bis der Roboter losfuhr, war eine Ampel schon auf Gelb gesprungen und erst bei Rot erreichte er die andere Strassenseite. Die Autos mussten warten. Auch wenn viele Fussgänger unterwegs sein sollten, dürfte das Gefährt kaum noch vorwärts kommen, weil er ständig anhält.

1000 Kilometer unfallfrei

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Post Tests mit den Lieferrobotern in Bern, Köniz BE, Biberist SO und Zuchwil SO durchgeführt. Damals seien technische und gesellschaftliche Aspekte im Vordergrund gestanden. Man habe die Reaktionen der Leute erfahren wollen. Auf den rund 200 Zustelltouren habe der Lieferroboter 1000 km unfallfrei zurückgelegt, sagte Pletscher. Es habe damals kleine Kinderkrankheiten wie etwa einen überraschend hohen Pneuverschleiss gegeben. Die habe man beseitigt.

Nun gehe es in der zweiten Phase um die Einbindung der Technologie in bestehende Logistikketten, sagte Pletscher. Man wolle die Roboter im echten Auslieferdienst für Kunden testen und Erfahrungen sammeln. Insgesamt kämen drei Roboter zum Einsatz. Je nach Nachfrage im Onlineshop könne die Flotte aufgestockt werden, sagte Pletscher.

Platz für eine Bierkiste

Man werde nicht gross Werbung für die Belieferung mit den Robotern machen, sagte Marc Huber, E-Commerce-Chef bei Jelmoli. Zum einen sei die Pilotphase mit sechs Wochen sehr kurz. Zum anderen wisse man nicht, wie viele Fahrten pro Tag möglich seien. «Wir rechnen mit fünf bis zehn Touren pro Tag», sagte Huber. Nach zwei Stunden muss die Batterie für 45 Minuten aufgeladen werden. Transportieren kann das Gefährt maximal 10 Kilogramm. Das Transportfach hat etwa Platz für eine Bierkiste. Für die Kunden ist die Lieferung gratis. Jelmoli bezahle der Post die Paketlieferpreise.

Nach dem Test werden die Gefährte aber nicht definitiv bei Jelmoli zum Einsatz kommen. Dies sei nicht geplant, sagte Huber. Die Batterie sei noch etwas schwach.

Kein Einsatz in der Region

Auch in der Region wird in absehbarer Zeit kein Lieferroboter zu sehen sein. Bei der Liechtensteinischen Post AG ist der Einsatz von Lieferrobotern derzeit noch kein Thema. «Wir verfolgen die Tests der Schweizerischen Post und anderen Anbietern», sagt Wolfgang Strunk, Mitglied des Managements und Bereichsleiter Kommunikation, Digitalisierung und Services. Einen Test wie ihn die Schweizerische Post mit Jelmoli in Zürich durchführt, wird es daher in Liechtenstein wohl nicht geben. «Einen Partner wie Jelmoli für die Durchführung eines Testbetriebs hier im Land zu finden wäre wohl schwierig», gibt Strunk zu bedenken. Er gehe nicht davon aus, dass im Land in den nächsten fünf Jahren das Thema Lieferroboter aktiv aufgenommen wird. «Grundsätzlich interessieren wir uns aber für neue innovative Zustelllösungen. Wenn es ein realistisches Anwendungsfeld und eine entsprechende Nachfrage gibt, werden wir natürlich prüfen, wie und wo man solche oder ähnliche neuen Zustelllösungen im Land einsetzen könnte.» Dabei müsse immer beachtet werden, ob so ein Projekt auch grössenverträglich und umsetzbar ist.

Partner aus Region willkommen

«Der Test mit Jelmoli ist der Auftakt der zweiten Pilotphase mit den Lieferrobotern», sagt Jacqueline Bühlmann, Sprecherin der Schweizerischen Post. Für weitere Tests sei man bereits in Gesprächen mit weiteren Partnern. Ob Unternehmen aus der Region darunter sind, lässt sie offen. «Wir sind offen für weitere Tests mit den Lieferrobotern in allen Branchen. Auch B2B-Anwendungen sind denkbar», so Bühlmann. (sda/jeb)

 

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